Es tut sich was

Es tut sich was. Ganz leise und überraschend. Ich habe meine halbprivate Homepage in eine geschäftliche umgewandelt und komplett neu gestaltet. Ich finde, es hat sich gelohnt. Sie ist heller, freundlicher, noch übersichtlicher geworden. Schaut gerne mal vorbei bei mir: Hier. Gerne Werbung machen 🙂
Und tatsächlich, ich hatte schon die erste Anfrage für eine Gruppenreise. Noch keinen Auftrag, aber das Angebot ist raus.

Zwar hatte ich schon länger vor die Homepage zu überarbeiten, aber nun war es wirklich dringlich geworden. Ich hatte mich auf Empfehlung einer Freundin (Uta, großartig!) bei einem Touristic-Unternehmen als Local Guide in Island beworben, das auch Island-Reisen anbietet. Dabei wollte ich meine Homepage im neuen Gewand präsentieren. Praktischerweise haben sie ihren Sitz in Flensburg. Nun haben sie mich eingeladen zum persönlichen Gespräch, wenn ich auf der Fahrt zu Fähre in Flensburg bei Freunden Halt mache. Mal sehen, ob und was daraus wird. Ich freue mich einfach, dass etwas passiert.

Und eine weitere Zusammenarbeit hat sich ergeben. „Aufwind-Freizeiten“, ein Reiseanbieter im christlichen Bereich, hat ebenfalls Reisen nach Island im Portfolio. Ebenfalls eine liebe Freundin hat den Kontakt vermittelt (Danke, Dagmar!) und so habe ich mich während der ITB in Berlin mit der Leiterin treffen und eine Zusammenarbeit ausloten können. Eigentlich war das erst für 2019 angedacht, aber nun haben sich neue Bedingungen ergeben. Klasse, dass ich als Guide für diese Gruppe arbeiten darf.

Am Wochenende sagte ich noch zu einem Freund: Bei all der Unsicherheit, die auf mich wartet, ist viel Potenzial für göttliche Wunder drin! Und tatsächlich. Ich nehme das als ermutigende Zeichen, und ich bin gespannt, wie ich in einem Jahr staunend zurückschauen werde auf das, was entstanden sein wird.

Ansonsten wird die Zeit allmählich knapp, auch gefühlt. Ich fange an, Listen zu machen, was alles noch zu tun ist, versuche konzentrierter die Todos abzuarbeiten. Aber ich versuche auch, mich nicht verrückt zu machen. Was ich nicht mehr verkauft bekomme, bleibt eben im Keller liegen. Ich behalte ja zum Glück die Wohnung, also alles easy. Ich fange an, mich ein letztes Mal mit dieser und jenem zu treffen. Man muss ja einen Vorrat an Gemeinsamkeit schaffen (Heute bei den Karfreitags-Stationen gefunden: „Ein Alleinsein würde kommen, gegen das wir einen Vorrat an Gemeinsamkeit anlegen wollten.“ Christa Wolf, Sommerstück). Ein herrlich intensives Wochenende liegt hinter mir, jede Menge Frühstücke, Weinabende…  – das gibt gute Erinnerungen!

Nun kommt das Osterfest, für mich noch einmal mit wunderbar viel Musik. Unser letzter Auftritt mit dem Chor, das wird fein. Ich genieße die Begegnungen mit lieben Menschen, weil sie mich stärken und weil die Beziehungen mir wichtig sind und mich das lebendig macht. Es riecht schon nach dem Heimweh, das ich haben werde… Ich hoffe inständig, dass sich der Frühling doch noch entscheidet, mich zu beehren, denn in Island gibt es kaum Frühling, jedenfalls nicht so wie wir das in Deutschland kennen. Gestern hat es geschneit in Berlin. Aber auf meinem Spaziergang heute habe ich schon jede Menge grün aufgebrochene Büsche gesehen und die Vögel sangen laut. Hoffnung bleibt. Es tut sich was.

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Es tut sich was

Wohnkram und Tourischwund

Als ich letzten Herbst zurückkam aus Island, wollte ich eigentlich meine Wohnung in Berlin ganz aufgeben. Inzwischen ist so viel passiert. Zum Jahresende hatten mich zwei Bekannte aus dem Iran gebeten, die Wohnung zu behalten und an sie unterzuvermieten, weil sie einfach nichts finden konnten. Als der ganze Genehmigungsprozess mit der Wohnungsverwaltung endlich durch war, saßen wir zusammen, um letzte Dinge zu besprechen. Auf einmal wurde ihnen beiden bewusst, dass ich das kleine Zimmer gar nicht nur pro forma behalten würde, sondern tatsächlich darin auch mal wohnen könnte, wenn ich zu Besuch oder im Winter auch mal für länger da sein könnte. Auch wenn sie die meiste Zeit allein hier gewesen wären, konnten sie sich das nicht vorstellen. Ich bin dankbar, dass wir das Ganze rechtzeitig klären konnten, sonst wäre hinterher der Stress ausgebrochen, und wer weiß, wohin das noch geführt hätte.

In dem Zusammenhang ist mir aber auch klar geworden, dass ich meine Wohnung unbedingt behalten möchte. Inzwischen bin ich sehr glücklich, diese Entscheidung getroffen zu haben. Denn vieles gestaltet sich im Moment alles andere als leicht, sodass ich sehr als froh bin, mein kleines Zimmerchen als Rückfall-Ebene zu haben. Inzwischen habe ich zwei sehr nette Studenten aus Mauritius gefunden, mit denen ich liebend gern eine WG zusammen haben werde, wenn ich hier bin. Ich hoffe, die Wohnungsgesellschaft „spielt mit“, denn die Genehmigung zur Untervermietung bekommt man immer nur für begrenzte Zeit…

In Island indes habe ich noch keine Unterkunft gefunden. Ein kleines Zimmer im Keller hätte ich für knapp 800 Euro bekommen können, wenn ich schon jetzt anfange mit der Mietzahlung (plus Sicherheits-Monatsbetrag obendrauf). Damit wäre mein Geld ziemlich schnell aufgebraucht gewesen. Ich bin froh, dass ich es nicht genommen habe, auch wenn ich nun täglich Anzeigen studiere, meist erfolglos, und wenn doch was dabei ist, dann kommt keine Antwort. Ich kann erst einmal bei meiner Freundin übernachten und hoffe, dass es dann vor Ort etwas leichter wird. Aber auch die Touristen-Saison beginnt – und damit auch das teure Vermieten von Zimmern an willig zahlende Urlauber – sodass noch weniger Raum für normale Mieter wie mich bleibt.

Auch die Hotels haben in diesem Jahr ihre Preise extrem erhöht. Und zwar offensichtlich so sehr, dass die deutschen Touristen in Scharen ausbleiben. Schon im Dezember war es absehbar, als die Aufträge zur Reiseleitung nur sehr reduziert kamen. Inzwischen sind tatsächlich sämtliche meiner Touren für den Sommer abgesagt, sodass ich quasi ohne Arbeit dastehen. Das geht nicht nur „meinem“ Unternehmen so, für das ich die Island-Rundreisen gestaltete, sondern ist flächendeckend bei allen deutschen Touranbietern so.

Ungebrochen scheint jedoch der Touristenstrom über die Kreuzfahrtschiffe. Hier gibt es immerhin eine lange Liste mit Optionen auf Tagestouren. Ob die Touren dann wirklich stattfinden, sehe ich erst kurz vorher, die Tage muss ich mir aber freihalten. Und auch in welchem Arbeitsumfang die Tour stattfinden wird, ist erst ganz kurzfristig klar. Also schwer planbar, wieviel Geld dabei herumkommen wird.

Im Moment kann ich also nicht viel tun, außer gelassen bleiben. Denn von hier aus und – für isländische Verhältnisse – so weit im Voraus brauche ich mich nicht um weitere Jobs zu kümmern. Das läuft alles kurzfristig in Island, daher habe ich gute Hoffnung, schnell etwas zu finden, wenn ich da bin. Ich lerne also weiter fleißig meine isländischen und englischen Vokabeln, hoffend, dass alles schon gut werden wird.

Das ganze Unterfangen ist diesmal also abenteuerlicher als je zuvor. Und ich bin extrem gespannt, ob und wie sich alles in den nächsten Monaten entwickeln wird. Aber ich habe ja meine Rückfall-Ebene hier in Berlin, kann jederzeit zurückkehren. Ein Versagen wäre das für mich nicht. Manchmal werde ich gefragt, ob ich denn noch ruhig schlafen könne. Auf jeden Fall! Ich schlafe ganz prima. Manche Tage sind schwierig. Atmen, atmen, atmen und immer wieder mir selbst „Wird schon!“ zusprechen. Aber meistens bin ich gelassen und zuversichtlich. Gestern ganz passend im Kalender der Zeitschrift „Flow“ gefunden:

„Etwas zu wagen bedeutet, vorübergehend den festen Halt zu verlieren. Nichts zu wagen bedeutet, sich selbst zu verlieren“
(Sören Kierkegaard, 1813-1855, dänischer Theologe und Philosoph).

Amen dazu!

 

 

Wohnkram und Tourischwund

Verrückt…!

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Ist das nicht verrückt? Die Zeit rennt nur so dahin. Es gibt schon besorgte Nachfragen, ob es mir denn gut gehe, weil ich so lange nichts veröffentlicht habe. Aber es ist einfach so viel zu tun, und das reale Leben ist immer noch wichtiger als das Internet. Ich genieße es sehr, mit meinen Lieblingsmenschen zusammen zu sein, ich sortiere auch noch die letzten Ecken meiner Wohnung, und letzte Woche habe ich ganz in Ruhe die erste grippale Fieber-Attacke auskuriert, seit ich wieder hier in Berlin bin.

Verrückt ist auch, dass, je länger die Zeit verstreicht, ich mich tatsächlich immer wieder mal frage, wieso ich überhaupt hier weg möchte. Denn im Moment genieße ich alles sehr. Kein Vergleich zu meinem Unbehagen, das ich vor einem Jahr hier hatte. Aber natürlich gebe ich meine Pläne nicht auf. Kommt überhaupt nicht in Frage. Besser man probiert etwas und lässt es dann wieder, als dass man sich später fragt, warum man es nicht einfach gewagt hat. Dass sich gerade einige Widerstände häufen, spornt mich dabei nur noch mehr an. Manchmal nervt es aber auch nur.

Da sitze ich zum Beispiel nach zwei Monaten Wartezeit endlich auf dem Amt, um meinem Personenbeförderungsschein zu beantragen. Im Gepäck habe ich die teuren ärztlichen Untersuchungen. „Für Island? Nein, das gilt ja nur in Berlin!“ Wie bitte? Nicht mal europaweit? Nicht mal deutschlandweit? Das ist doch einfach nicht zu fassen. Weder diverse Anrufe bei der Führerscheinbehörde noch die intensive Hilfe der Chefin beim Bürgeramt helfen weiter. Am Ende weiß mal wieder niemand, ob es eine Lösung gibt und wer zuständig sein könnte. Auch ein Besuch bei der isländischen Botschaft hilft nicht weiter. Tagelange Internetrecherche bringt jedenfalls zu Tage, dass in Island quasi eine Führerscheinprüfung Klasse D nötig ist. Will man dazu noch das eigene Auto nutzen und für die eigene Firma fahren, dann werden dafür weitere Prüfungen und Genehmigungen fällig, sodass man am Ende bei einer für mich astronomischen Summe landet. Fazit: Für mich im Moment weder zeitlich noch finanziell zu machen. Immerhin weiß ich das jetzt, so verrückt es auch ist…

Noch so eine Verrücktheit: Meine Arbeitsvermittlerin empfahl mir, den Senat für Bildung und so weiter in Berlin aufzusuchen, um dort meine Ausbildung nochmal neu anerkennen zu lassen. Ist ja eine komplizierte Geschichte: In der DDR eine kirchliche Ausbildung gemacht (weil ich wegen fehlender politischer Zugehörigkeit trotz super Zeugnisses kein Abi machen durfte), dann gab es 1989/90 (!) einen staatlichen Qualifizierungskurs in Berlin. Weil mit den DDR-Bezeichnungen niemand was anfangen konnte, wurde später eine Gleichstellungsbehörde beauftragt, das zu „übersetzen“. Aus einer eigentlich rein pädagogischen Ausbildung für die Arbeit mit geistig behinderten Menschen wurde eine „Diplom-Sozialarbeiterin“. Klingt gut, und damals habe ich mich sehr gefreut. Heute aber sehe ich, dass ich keine Sozialarbeiterin bin und es auch nie war. Ich habe nichts über Gesetze und dergleichen gelernt, was für das Berufsbild wichtig ist. Und im Ausland nicht anerkannt wird, da die isländischen Gesetze als nicht bekannt vorausgesetzt werden. Ich brauche also eine Anerkennung als Pädagogin, was ich ja auch bin.

Besagter Termin beim Senat war gemacht. In dem altehrwürdigen Gebäude habe ich nun viele Gänge und Treppen kennen gelernt. Denn mal wieder war keiner zuständig. Mit Überzeugung wurde ich von den einzelnen Menschen von einem zum nächsten geschickt. Erst im fünften Büro gab es einen endgültigen Bescheid: Der Berliner Senat ist jedenfalls nicht die richtige Anlaufstelle, auch wenn man nicht weiß, was es denn nun stattdessen sein könnte. Vielleicht das Ministerium im Land Brandenburg, wo ich die damalige Ausbildung gemacht habe. Oder aber ich muss mich an die Kultusminister-Konferenz in Bonn wenden, die sind nämlich für Ausbildungen im Ausland zuständig. Unfassbar, aber die DDR gilt in dem Fall tatsächlich als Ausland! Auf der Webseite erfahre ich, dass mich das um die 500 Euro kosten wird!!!

Weiter bin ich jedenfalls noch nicht gekommen. Fortsetzung folgt. Vielleicht, wenn ich Glück habe. Verrückt…!

Verrückt…!

Loslassen

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„Winterwonderland“ im Botanischen Garten in Berlin

Das Jahr geht zu Ende. Ein spannendes Jahr. Am Anfang hatte ich noch keine Ahnung, wo es mich hinführen würde. Und nun habe ich also im Sommer die Entscheidung getroffen, nach Island umzusiedeln. Ich habe es mir nicht leicht gemacht. Ich habe es mir wohl überlegt. Und das ist gut. Denn nun – meinen Berliner Alltag genießend – kommen die Zweifel, weil es mir auch hier gut geht und ich hier eben auch zu Hause bin. Es ist nicht leicht loszulassen. Schon gar nicht, wenn Hindernisse auftauchen.  Aber nur wenn man loslässt, kann Neues werden. Passend dazu (dieser Artikel war schon so gut wie fertig) heute eine Frage in meinem Flow-Kalender: „Was willst du heute loslassen?“ Spannend, sich dem zu stellen…

Vor ein paar Wochen kamen die Angebote meiner Firma, für die ich Rundreisen in Island begleite. Ich hatte schon befürchtet, dass es im nächsten Jahr etwas dünner würde mit den Touren. Das hat damit zu tun, dass es in diesem Jahr so extreme Preissteigerungen gab, die mit dem hohen Stand der Isländischen Krone einhergingen. Und es hat mit einer geplanten Tourismussteuer zu tun, von der man nicht genau weiß, wann sie nun kommt (wurde schon mehrfach verschoben) und wie hoch sie sein wird (wohl aber von 11 auf 24% steigend). Dazu gab es Neuwahlen im Herbst, bei denen auch keiner wusste, was dabei herauskommt. Das muss jedoch bei der Reisekalkulation, also bevor Kataloge gedruckt und Preise veröffentlicht werden, vorsorglich mit einbezogen werden – ob die Erhöhung nun im Sommer 2018 oder zum Jahresbeginn 2019 erst kommt ist dabei egal.

Jedenfalls ist das, was ich an Reisen bekommen habe, mehr als dünn. Erst im Juni geht es überhaupt los, und alles in allem kann ich davon nicht leben. Der Schock saß ganz schön tief und die Panik überrumpelte mich. Ein lieber Freund stellte die entscheidende Frage: „Ist dein Projekt nun insgesamt auf der Kippe oder ist es nur sehr viel schwieriger geworden?“ Klare Antwort: Nein, mein Entschluss ist nicht gefährdet. Es ist nur herausfordernder geworden, und es kostet Zeit und Kraft, nach Lösungen zu suchen. Aber es wird welche geben.

Eine davon ist, dass ich meine Möglichkeiten erweitern werde. Im Januar kommt die Liste der Tagestouren für Kreuzfahrtschiffe. Ich werde außerdem Bewerbungen an weitere Touranbieter senden. Im Kindergarten oder Altersheim kann ich nachfragen, ob ich dort tage- bzw. wochenweise arbeiten kann. Und ich habe schon angefangen, intensiv mein Englisch aufzupolieren, gleichzeitig auch weiter Isländisch zu lernen. So schaffe ich es, meine Hirnzellen wieder so zu vernetzen, dass beide Sprachen sich nebeneinander entfalten können. Bisher war alles vom Isländischen überlagert und die Hirnschublade mit den Englischvokabeln klemmte gewaltig. Nun verknüpfe ich das miteinander mit dem Ziel, dass ich im Sommer problemlos auch englischsprachige Reisende begleiten kann.

Darüber hinaus denke ich über mein eigenes Portfolio nach. Dazu muss ich meine Homepage überarbeiten, das wird demnächst passieren. Und ich bin dabei, den Personenbeförderungsschein zu beantragen. So kann ich mit meinem PKW Touren für ein bis drei Personen anbieten. Langfristig (und im Moment weder zeitlich noch finanziell zu leisten) werde ich den Führerschein D machen, damit ich Kleinbusse bis 16 Personen fahren kann. Als Driverguide habe ich dann auch nochmal andere Chancen bei den Reisegesellschaften.

Um auf der Ausgabenseite zu sparen, habe ich den Traum von einer Wohnung erst einmal beiseite gelegt – es wird also wieder ein kleines Zimmer werden. Ich habe schon ein paar Ideen, wie ich das noch optimieren kann, damit es auch längerfristig nicht nur eine Notlösung sein muss. Mal sehen, was sich da ergibt.

In Berlin dagegen behalte ich meine Wohnung, und zwar nicht aus Nostalgie oder weil ich nicht loslassen kann. Ich habe zwei zuverlässige langfristige Untermieter gefunden, die ich schon lange kenne und die dringend ein neues Zuhause brauchen. Ich verhandle gerade mit meiner Wohnungsgesellschaft, die sich wie immer erstmal quer stellt. Jedenfalls behalte ich hier ein Zimmer und kann also jederzeit Quartier nehmen und habe meinen Anker, falls doch etwas so schief läuft, dass ich keinen anderen Ausweg weiß als zurückzukehren. Aber das ist nur ein Not-Anker, nichts womit ich im Moment wirklich rechne.

An Weihnachten hatte ich die Bude voll. Eine meiner Schwestern mit Mann und Kindern und meine Mutter waren eine Woche lang meine Gäste und wir hatten eine sehr schöne Zeit miteinander. Am Ende waren beide Autos voller als auf der Herfahrt, denn meine Schwester hatte jede Menge Dinge eingepackt. Es ist gut, dass schon einiges weg ist, aber ich habe plötzlich auch gemerkt, wie ich an manchen dieser Lieblingsdinge hänge. Und wie schwer es mir auf einmal fällt, alles loszulassen. Ich frage mich, ob ich das tun muss (Nein!) und ob ich das tun will (Das weiß ich noch nicht.). Vielleicht vermiete ich doch einige Dinge weiter statt sie zu verkaufen. Natürlich sind einige Dinge mit meiner bisherigen Lebensgeschichte verknüpft. Und natürlich stehen sie letztlich auch nur als Synonym für die Menschen, die ich demnächst loslassen muss, mich verabschieden für längere Zeit. Und ich bin realistisch genug zu wissen, dass nicht alle Beziehungen überdauern werden. Das tut weh. Auch wenn ich weiß, dass Neues wächst.

Ich habe mir vorgenommen, nicht sofort wie wild nach einer Lösung zu suchen. Ich will loslassen, dann findet sich alles von selbst. Ich entscheide erst einmal nichts. Wenn ich soweit bin, werde ich wissen, wie ich es mache. Im Keller ist Platz, manches kann auch in der Wohnung bleiben. Oder es wird eben doch zu Geld gemacht. Wird sich finden zur rechten Zeit. In Island geht die Weihnachtszeit bis zum 6. Januar, dem dreizehnten Weihnachtstag. Bis dahin lasse ich alles ein bisschen geruhsamer angehen. Bis dahin mache ich quasi Ferien. Ich lasse es. Lasse los. Lasse es für einen Moment gehen – ge(h-)lassen. Und dann geht es wieder los. Alles zu seiner Zeit.

Wenn ich am Ende dieses Jahres zurückschaue, bin ich sehr dankbar. Ich lese meinen Tagebucheintrag von Silvester 2016 und staune, dass fast alles sich erfüllt hat, was ich mir erhofft hatte. Ich bin reich und gesegnet.

Und ich will auch allen Danke sagen, die mich begleitet haben. Danke für das Interesse an meinem Blog, danke für alle Begegnungen, Grüße, Ermutigungen und Anmerkungen in den Kommentaren – das bedeutet mir sehr viel. Ich wünsche Dir und mir, dass das neue Jahr ein gutes und gesegnetes wird. Dass wir Neues entdecken und Altes würdigen können. Dass wir gelassen und heiter Schritt für Schritt weitergehen, loslassen, weil wir nicht das Zentrum des Universums sind, sondern da noch andere mit uns unterwegs sind. Und weil, so glaube ich, einer über uns ist, der alles in der Hand hält, und weil zur rechten Zeit alles so kommt wie es kommen soll und gut ist. In diesem Sinne:

Ein frohes neues Jahr!

Hier noch ein paar Impressionen aus dem Christmas-Garden „Windterwonderland“ im Botanischen Garten Berlin, den ich mit meiner Familie besucht habe:

Loslassen

Wer hat an der Uhr gedreht?!

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Ist es wirklich schon November? Unfassbar. Die Umbrüche kosten mich einfach immer zu viel Energie und Fokus auf anderen Dingen. So verkümmert der Blog auf der ToDo-Liste… Eins voraus: Auch deshalb wird sich etwas grundlegend ändern. Aber nun erst einmal Rückblende.

Zwei Monate ist es her, dass ich mich tatsächlich ziemlich gequält habe beim Zusammenpacken all meiner Sachen. Das Packen fiel mir extrem schwer und ich habe das Gefühl, dass es von Mal zu Mal schwieriger wird. Dazu kam, dass ich wirklich müde war nach dem arbeitsreichen Sommer. Ich wollte nur noch abhängen. Und ich wollte nicht weg. Aber letztlich war alles pünktlich fertig. Ein paar Sachen konnte ich bei lieben Freunden unterstellen. Und dann ging es wieder einmal um die halbe Insel herum.

_MG_0590Die Fahrt nach Norden war anstrengend und zugleich wunderschön. So viele Erinnerungen sind dabei immer mit auf dem Weg. Es regnete ziemlich heftig, aber das nahm nichts von der zauberhaften Schönheit des farbenprächtigen Herbstes. Sieben Regenbögen begleiteten mich auf meiner Fahrt! Unterwegs traf ich noch einmal Freunde, genoss ein herrliches heißes Bad, hielt immer mal wieder an, um Fotos zu machen. Und so schwer es mir fiel, mein Zuhause wieder zu verlassen – ich komme ja zurück. Das ist tröstlich.

_MG_0587Das Besondere diesmal war die vorerst letzte Fahrt Richtung Fähre. Denn – und hier nun also die News – im nächsten Jahr werde ich tatsächlich kommen, um zu bleiben. Ich habe mich schon im Juli entschieden, dass Island nun mein Zuhause sein soll. Das stetige Hin und Her kostet mich viel an Energie, Vokabeln verlieren sich, der Gedanke an die Fähre verursacht mir dank meiner Affinität zur Seekrankheit immer schon im Vorfeld Horrorgedanken, die Fähre wird außerdem immer teurer und ich kann für denselben Preis mehrere Male zwischen Deutschland und Island hin und her fliegen. Dazu kommt, dass es in Deutschland einfach sehr schwer ist, für einen kürzeren Zeitabschnitt einen qualifizierten, gut bezahlten Job zu bekommen, und so genieße ich in Berlin zwar meine wunderschöne Wohnung (samt eigener großer Küche!), schlage mich aber arbeitsmäßig irgendwie durch. Es gibt noch eine Menge weiterer Gründe, aber ich habe einfach das sichere Gefühl, dass das jetzt genau richtig ist.

Natürlich wird mir der enge Kontakt zu meinen Freunden fehlen. Aber ich kann nach Saisonende für längere Zeit nach Deutschland kommen, um Zeit mit ihnen und meiner Familie zu verbringen. Natürlich gehe ich mit klopfendem Herzen, schrecke manchmal vor meinem eigenen Mut zurück – die Panik kommt und geht in Wellen. Manchmal fragen Leute: Du gehst für immer? Nein, sage ich dann jedes Mal. „Immer“ ist ein großes Wort. Ich kann nicht sagen, für wie lange. Ich werde schauen, wie lange es sich gut und richtig anfühlt. Wenn es das nicht tut, werde ich etwas ändern, neu justieren. So, wie ich eigentlich gedacht hatte, dass das Modell „Halb Island und halb Deutschland“ ein gutes sei,  und dann festgestellt habe, dass es zu anstrengend ist. Das was ich tue ist, meinem Herzen zu folgen. Darum geht es mir. So wie die Inschrift auf einem Bus in Reykjavík: „Besta leiðin er að fylgja hjartanu – Der beste Weg ist, es dem Herzen zu folgen.“

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Es bleibt also mal wieder spannend. Hier anzukommen war nicht so schwer wie vor einem Jahr – ich war von Anfang an wirklich hier, wenn auch die ersten vier Wochen immer sehr müde. Ich habe Riesenglück mit meiner Vermittlerin bei der Arbeitsagentur. Es ist dieselbe wie im letzten Jahr, sie hat mir aufmerksam zugehört, mich aller Bedingungen enthoben, da ich ja schon feste Pläne für die Zukunft habe, und am Ende des Gespräches mich gleich schon abgemeldet für Ende April. Das heißt, ich habe das große Geschenk, nun „versorgt“ zu sein mit dem Nötigsten UND mit genügend Zeit, um alles zu sortieren, zu verkaufen, zu verpacken. Fünf große Kisten Bücher und eine Reihe Schallplatten sind schon verkauft. Auf einigen Möbeln klebt schon ein virtueller Zettel „Geht an …“. Es bleibt mir aber noch genug zu tun. Und dazwischen genieße ich das Leben und Hiersein. Und der Rest: Wird schon werden 🙂

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Wer hat an der Uhr gedreht?!

Auf Foto-Tour (2)

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[Abendstimmung am Goðafoss]
IMG_20170831_194844 (Large)FOTOURIO ist eine Berliner Firma, die Workshops und Touren rund um das Thema Fotografie anbietet. Dazu gehören Bildbearbeitung & Co, interessante Locations in Berlin, aber eben auch Fotoreisen weltweit – in die USA, nach Kuba, Prag, Lissabon, London etc., und seit 2017 eben auch Island. Ich durfte diese beiden von dem Fotografen Steffen Herbst angebotenen Touren als Tourguide mit konzipieren und begleiten. Nebenbei habe ich auch für mein eigenes Fotowissen profitieren dürfen. Die Fototour 1 habe ich schon gewürdigt (inklusive des Tourberichts von Dirk Neubauer), Tour 2 war allerdings nochmal ganz anders, und diesmal berichte ich etwas ausführlicher.

Fototour 2 ReykjanesrifffDiesmal haben wir uns mit sechs fotobegeisterten Menschen auf den Weg um die Insel gemacht, zwei Wochen lang, um die besten Foto-Locations aufzusuchen. Dabei hat uns dasselbe Auto wieder (meistens) gute Dienste geleistet. Nur die Treppe des Ford Transit, die willkürlich einfuhr oder eben auch nicht, hat uns immer wieder geärgert. In einfachen, aber freundlichen Gästehäusern und Hotels haben wir nicht nur übernachtet, sondern abends immer wieder Bilder gesichtet, sortiert und teils bearbeitet. Dabei gab es sowohl tagsüber an einzelnen Locations als auch abends immer wieder Theorie-Einheiten, die ganz und gar nicht theoretisch, sondern absolut praxisrelevant, fundiert und anschaulich waren. Steffen hatte außerdem ein großes Angebot an verschiedenen Filtern dabei, sodass wir wirklich gute Voraussetzungen für unsere Bilder hatten.

Der Süden und Osten

2017-08-24_00001 (Large)War bei Tour 1 das Wetter ungewöhnlich stabil und fast hochsommerlich – es gab nur wenige regnerische Tage -, waren bei Tour 2 die Vorzeichen komplett umgekehrt. So viel Regen, Starkregen, Nieselregen, Nebel… Nach dem sonnigen Anreisetag und der ersten Tour um die Halbinsel Reykjanes mit zumindest etwas Sonne, fielen danach immer wieder Locations dem heftigen Regen zum Opfer. Am Geysir hatten wir zum Glück Quartier, sodass am nächsten Morgen in aller Frühe ein paar Bilder gelangen. Die Reise entlang der Südküste versank nahezu im Regen. Bei den

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[Mein Schirm kommt zu Ehren]
ersten beiden Wasserfällen war das nicht weiter schlimm, denn hier wären wir bei jedem Wetter nass geworden. Der Gljúfrabúi („Schluchtenbewohner“) stürzt nämlich in einer Höhle herunter, über die man auf Steinen im Wasser balancierend gelangt, um dort vom Spritzwasser empfangen zu werden – ein ebenso tolles Erlebnis wie es auch eine große Herausforderung an das Kamera-Equipment ist. Und auch der Seljalandsfoss, hinter den man gehen und durch den Wasserschleier nach draußen sehen kann, bringt durch die Gischt jede Menge mit sich. Den großen Wasserfall Nummer drei, den Skógafoss, schauten wir dann nur kurz aus dem Bus an, bevor wir im Dauerregen weiterfuhren. Alternativ gönnten wir uns den Kinofilm im þorvaldseyri-Center rund um den Ausbruch des berühmten Eyjafjallajökull. Auch der Ausflug an das Südkap fiel ins Wasser.

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[Papageientaucher am Reynisfjara]
Das haben wir dann allerdings am nächsten Morgen nachholen können – es gab ein kurzes regenfreies Fenster; belohnt wurden wir von einer unzähligen Schar an Papageientauchern, die sich uns regelrecht präsentierten! Bei der ersten Fototour konnten wir sie nur fliegen sehen, denn sie waren noch mit der unermüdlichen Fütterung der Jungtiere beschäftigt, die nun alle schon groß genug und außerhalb ihrer Nester waren – herrlich! An der nächsten Location in der Eldhraun („Feuerlava“) gab es Zeit zwei Bilder, dann strömte der Regen auch schon wieder herab. Die großartige Fjarðrárgljúfur-Schlucht sind wir von oben nach unten gelaufen – der spektakulärste Ausblick zuerst, aber dafür auch für eine kurze Zeit regenfrei. Nach der Fahrt durch die großen Sanderebenen im Nebel klarte auch der Svínafellsjökull-Gletscher noch einmal für uns auf, sodass wir den Pfad an seiner Seite noch ein gutes Stück hinaufklettern konnten. Alles in allem hatten wir mit den regenfreien Fenstern also jede Menge Glück.

 

 

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[Svínafellgletscher]
Der Ausblick auf den nächsten Tag ließ mich aber nun doch ziemlich verzweifeln, denn es gab einfach keine Alternativen, die ich hätte bieten können. Und eigentlich ist dies einer der großen Höhepunkte, die Gletscherzungen rund um den Vatnajökull-Nationalpark (der größte Gletscher Europas), die Fahrt auf der Gletscherlagune mit ihren meterhohen Eisbergen, der so genannte Diamond-Beach mit seinen Eisstücken im schwarzen Sand, die wie Diamante schimmern… Aber hier zeigte sich die Qualität der

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[Torfkirche Hof im Gebiet Öræfi]
überaus entspannten Gruppe, die ein wahrer Segen war: „Das wussten wir doch vorher, dass Island so sein kann. Da kann man eben nichts machen. Wir genießen dann eben mit den Augen. Schade, dass man keine Fotos machen kann, aber es ist ja trotzdem unglaublich schön hier!“ Das hat mich wirklich verblüfft, mit welcher Gelassenheit die Gruppe die ganze Fahrt über sich durch den Regen kaum frustrieren ließ. Und so wurde die Wanderung zum Svartifoss als erstaunlich schön und regenarm wahrgenommen, eine Torfkirche noch als kleines spontanes Extra mitgenommen, und der Rest des vernebelt-verregneten Tages dennoch auch als schön empfunden und das Beste draus gemacht.

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[Blick vom Pass Allmannaskarð zu den Gletscherzungen des Vatnajökull]

Der Norden

IMG-20170830-WA0005 KopieDie Ostfjorde, Tag 7, endlich ohne Regen. Sie haben einen eigenen Charme, man muss sich aber schon ein bisschen Zeit nehmen, wenn man nicht stur die lange Strecke hinter sich bringen möchte, um zu den großen Sehenswürdigkeiten im Norden weiter zu rasen. Ich mag diesen Tag immer besonders, weil er nach all den vielen Eindrücken ein bisschen das Hirn durchpustet. Die Ostküste ist teilweise von langen schwarzen Stränden, teils von spektakulärer Steilküste, teils von tief eingeschnittenen Fjorden geprägt; die treppenartigen Berge scheinen schräg aufgestellt (und sind es auch, was mit der Schwerkraft während der vulkanischen Aktivitäten vor 13 Millionen Jahren zu tun hat), wirken teils mystisch und manchmal skurril. Wir nehmen uns viel Zeit in Stokksnes und im Wasserfall des Berufjördur, bevor wir in Petras Steinsammlung Halt machen.

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[Dettifoss]
Endlich, endlich haben auch wir ein paar Tage mit Sonne. Es ist eine Wohltat. Ein Wasserfall unterwegs, ein Stopp im beginnenden Hochland, dann geht es zu einem der großen Wasserfälle: Der Dettifoss präsentiert sich mit Regenbogenspektakel. Weiter geht es zum Mývatn-See, an dem wir zwei Tage bleiben, um all die Sehenswürdigkeiten zu genießen: Eines der größten Solfatarenfelder Islands – Hverarönd, das Felsenlabyrinth Dimmuborgir, die Wanderung um den wassergefüllten Krater Víti am Vulkan aktiven Krafla, die Pseudokrater im See, spätabends dann der Besuch im Naturbad Mývatn.

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[Kratersee im Krafla-Víti]
Etwa eine Dreiviertelstunde entfernt hatten wir unser nächstes Quartier wieder an einem wunderschönen See. Von hier aus ging es abends noch zum Goðafoss (siehe Bild ganz oben), den ich teilweise wöchentlich besucht hatte im letzten Sommer, immer mit Tausenden von Touristen. An diesem Abend hat er mich wieder ganz neu fasziniert: Viel weniger Menschen und zauberhaftes Licht… Danach sind wir in den Hot Pot hinter unserem Gästehaus gestiegen und haben dort die Dunkelheit, den aufgehenden Mond über dem See und die ersten Nordlichter begrüßt und genossen. Es waren großartige Bedingungen, und die Gruppe hat einige Stunden Nachtschlafes für eine großartige Nordlicht-Show geopfert. Ich bin schlafen gegangen – wenn ich als Guide unterwegs bin, brauche ich meinen Schlaf, um am nächsten Morgen wieder fit und entspannt zu sein.

20170813_Whalewatching41 (Large)Noch ein Sonnentag war uns vergönnt – und ein weiteres Highlight: Beim Whalewatching im wunderschönen Eyafjörður sahen wir jede Menge Wale, einige davon schwammen so dicht ans Ufer heran, dass die Crew völlig aus dem Häuschen war – das hatten sie noch nie gesehen. Kommentar des Guide: „Normalerweise kommen Wale an den Strand, wenn sie sich entschieden haben zu sterben. Diese hier wollen das aber offensichtlich nicht, denn sie haben eine Menge Spaß!“ Schließlich ein Erlebnis, das man nur bei 5 % aller Walfahrten hat: Zwei komplett aus dem Wasser springende Wale! Leider in größerer Entfernung, aber dennoch einmalig und fast unwirklich. Als wir dann beim anschließenden See-Angeln noch jede Menge Fische fingen – zum Teil mit zwei bis drei Fischen an einer Angel! – konnte ich noch an Bord organisieren, dass wir an Land in einem Restaurant den großen Grill benutzen durften. Wir packten all unser Brot, Gemüse usw. aus und machten ein großes Gelage daraus. Die Getränke wurden uns im eigentlich geschlossenen Restaurant gezapft, und einer Gammelhai-Verkostung konnten einige dann auch nicht widerstehen (dafür gab es ein Mut-Zertifikat!).

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[Hvítserkur bei Ebbe]
Tja, und dann hatte er uns wieder, der Regen. Und wie. Lange Fahrstrecken an diesem Tag, ein Torfgehöft mit Museum, eine Torfirche, und schließlich nach einer halben Stunde schlechten Weges zu einer Steinskulptur im Meer, die bei Ebbe anlandet: Der Hvítserkur. Einige haben sich dennoch nicht abhalten lassen, den Hang nach unten zu klettern, aber für andere war das Regenlimit nun wirklich erreicht. Das Foto hier stammt von Tour eins, wo das Wetter ja deutlich besser war.

Der Westen

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[Der Kirkjufellsfoss konnte leider nur bei Fototour 1 in Szene gesetzt werden]
Der nächste Tag wurde leider nicht besser – die Halbinsel Snæfellsnes brachte extrem lange Fahrten mit sich, und leider neben dem Niesel auch Nebel. Der lichtete sich glücklicherweise bei den ersten beiden Locations in Arnastapi und am Malaríf. Am Djúpalónssandur mit seinem schwarzen Sand und rotbraunen Trümmerteilen eines Trawlers, der hier 1948 gesunken ist, versanken auch wir letztlich im Nieselpieselnebel. Durchgeweicht und ein bisschen frustriert entschieden wir unsere eigentliche Haupt-Location, die Wasserfälle am Kirkjufell („Kirchenberg“, so genannt wegen der Form, die an ein Kirchendach erinnert) bei Grundafjörður wegzulassen, da sämtliche Berge ohnehin im Nebel verschwunden waren. Die Rückfahrt war mühevoll, nur Steffen und ich blieben wach, während alle in seligem Schlummer die Ereignisse des Tages verarbeiteten. Am Abend ein wunderbares Essen in Borganes, wo wir im Landnahmezentrum einen Tisch bestellt hatten.

Und damit war unsere Reise fast zu Ende. Am nächsten Tag standen nur noch die Wasserfälle Hraufossar und der Barnafoss an, immerhin blieb das Wetter trocken bis zu unserer Abfahrt. Dann ging es Richtung Reykjavík. Nach dem gemeinsamen Eisessen im Hafen ging es zum CheckIn ins Hotel, bevor wir uns abends noch zum Abschiedsessen in der Stadt trafen. Das Putzen des Busses war dann Aufgabe von Steffen und mir, während die Gruppe einen Tag zur freien Verfügung hatte, um zu bummeln, zu reiten und so weiter.

Alles in allem waren die beiden Foto-Touren ein schöner Abschluss meiner Reise-Saison, die erst 2018 wieder für mich beginnen wird. So hoffe ich es jedenfalls.

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Auf Foto-Tour (2)

Die Tage sind am Schwinden

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Es wird Herbst. Schon auf der zweiten Fototour haben wir im Norden genießen können, wie die Heide bunt wird, die Bäume sich färben und der isländischen Landschaft noch einmal einen besonderen Goldüberzug gewähren.

Auch die Nächte werden länger. Mitte August wird aus den immer noch dämmerungshellen Nächten ziemlich schnell Dunkelheit, die sich ausweitet. Inzwischen ist es schon abends um 21 Uhr richtig dunkel, und es geht nun rasant voran, dass die Tage schwinden.

Auch die Temperaturen ändern sich. Die Jacken und Pullis werden wieder dicker, Schal, Mütze sind sowieso nie ganz weggepackt gewesen. Aber nachts ohne Handschuhe auf Nordlichtjagd zu gehen, ist schon fast dumm zu nennen. So ging es mir jedenfalls – in der Stadt 9°C, auf dem Land piepste mein Auto dann Glättewarnung bei 3°C. Gut, dass ich heißen Tee dabei hatte, als wir auf Nordlichtjagd gingen. Den Eiskratzer hätten wir auch bei der ersten Fototour im Norden an einem frühen Augustmorgen schon brauchen können.

Nordlichter sind ja das ganze Jahr über da, sofern die Sonnenaktivitäten vorhanden sind, aber man sieht sie eben nur bei Dunkelheit. Und das ist das Schöne an den schwindenden Tagen – die dunklen Nächte bringen ihre Schönheit hervor. Ich bin keine große Jägerin, die jede Nacht auf Lauer liegt. Aber manchmal MUSS man einfach los. So wie letzte Woche, als eine Nordlichtwahrscheinlichkeit von 9 von 9 möglichen Punkten angezeigt war. Alle waren aus dem Häuschen. Das hatte es 2003 das letzte Mal gegeben. Sogar in Deutschland wurden Sichtungen für möglich gehalten. Auf der Sonne gab es eine ziemlich heftige Eruption, tagelang wurde eine schon ziemlich hohe „7“ vorhergesagt, die dann aber abends jedesmal in sich zusammenfiel und nur noch eine „1“ oder „2“ übrig ließ. Aber diesmal musste es einfach klappen.

Als ich abends dann mit zwei griechischen Freunden los fuhr, waren wir hoffnungsvoll, es war immer noch „8“ prophezeiht, fuhren bis zum þingvellir-See – das sollte die Nacht der Nächte werden. Aber ach, die Anzeige sank zwar nur auf „5“, alles in allem war es jedoch enttäuschend. Erst machte der Vollmond uns einen Strich durch die Rechnung, dann zogen die Wolken immer mehr zusammen, sodass wir wieder Richtung Süden fuhren, und auch die Aktivitäten am Himmel waren alles in allem nur sehr kurz. Schade, aber es war dennoch ein wunderbares Abenteuer, und eine gute Kamera sieht ja oft noch viel mehr als das, was wir mit bloßem Auge erkennen können.

 

Ansonsten merke ich auch persönlich, dass der Sommer vorüber ist. Zum einen: Er war unglaublich intensiv und arbeitsreich. Jetzt habe ich zum ersten Mal richtig frei. Und merke, wie müde ich bin. Ich habe also keine Muße mehr zum Herumreisen, obwohl es noch so viel gibt, das ich sehen will – nächstes Jahr wird es neue Chancen geben dafür. Ich treffe stattdessen Freunde, manche endlich – zum ersten Mal in diesem Jahr, manche zum letzten Mal – meine guten Freunde Yannis und Themis gehen zumindest temporär zurück nach Griechenland… Und es gibt noch ein paar Behördengänge zu tun. Und so langsam denke ich auch an das Packen. Ich habe Freunde gefunden, bei denen ich einen Teil meiner Sachen lassen kann, sodass sie nicht hin und her kutschiert werden müssen, das ist großartig. Heute gibt es eine Danke-Party von einem meiner Arbeitgeber – die Saison ist vorüber. Und tatsächlich, heute in einer Woche geht die Fähre schon… Die Zeit ist viel zu schnell gerast diesmal…

Ganz überraschend gab es aber letzte Nacht noch eine schönes Abschiedsgeschenk. Ich war von einer Einladung bei lieben Freunden nach Hause gegangen, kroch ins Bett, las noch etwas bei Facebook. Dort poppten in einer „Nordlichtgruppe“ die Meldungen auf: „Nordlicht hier“, „Nordlicht dort“ – alles Orte, die relativ nahe waren, aber doch zu weit, um mich nochmal aufzuraffen. Dann schrieb jemand:“ Starke, tanzende Lichter über der Innenstadt“. Da war ich ruckzuck in warmen Klamotten und auf der Straße. Um mich herum ist leider alles extrem beleuchtet – dennoch tanzte und waberte es am Himmel so stark, dass es auch hier deutlich zu sehen war. Ich suchte mir die dunkelste Stelle im Garten, aber ich wollte den vollen Genuss. Ich schnappte mir meine Kamera und setzte mich ins Auto, um wenigstens ein paar Minuten weiter in ein Waldstück zu fahren, das in der Nähe von „Perlan“ liegt. Auch dort war es eigentlich noch zu hell, ich hatte allerdings die Befürchtung, dass es schnell wieder vorbei sein könnte, und wollte lieber alles genießen so lange es ging. Stattdessen wurde es jedoch das schönste Spektakel, das ich bisher am Himmel gesehen habe. Knapp zwei Stunden dauerte es an, und ich wusste gar nicht, wo ich zuerst hinschauen sollte. Es war ein Traum. Nur wenig davon lässt sich mit der Kamera festhalten, vor allem weil alles ständig in Bewegung war. Es war ein großartiges Geschenk, das mich erfreut hat und das ich also hier gerne teilen will. Bitteschön:

 

P.S. Ich werde noch von Fototour 2 erzählen, aber ich bin einfach noch nicht fertig mit diesem Artikel. Ich werde ihn also nachreichen 🙂

Die Tage sind am Schwinden