Loslassen

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„Winterwonderland“ im Botanischen Garten in Berlin

Das Jahr geht zu Ende. Ein spannendes Jahr. Am Anfang hatte ich noch keine Ahnung, wo es mich hinführen würde. Und nun habe ich also im Sommer die Entscheidung getroffen, nach Island umzusiedeln. Ich habe es mir nicht leicht gemacht. Ich habe es mir wohl überlegt. Und das ist gut. Denn nun – meinen Berliner Alltag genießend – kommen die Zweifel, weil es mir auch hier gut geht und ich hier eben auch zu Hause bin. Es ist nicht leicht loszulassen. Schon gar nicht, wenn Hindernisse auftauchen.  Aber nur wenn man loslässt, kann Neues werden. Passend dazu (dieser Artikel war schon so gut wie fertig) heute eine Frage in meinem Flow-Kalender: „Was willst du heute loslassen?“ Spannend, sich dem zu stellen…

Vor ein paar Wochen kamen die Angebote meiner Firma, für die ich Rundreisen in Island begleite. Ich hatte schon befürchtet, dass es im nächsten Jahr etwas dünner würde mit den Touren. Das hat damit zu tun, dass es in diesem Jahr so extreme Preissteigerungen gab, die mit dem hohen Stand der Isländischen Krone einhergingen. Und es hat mit einer geplanten Tourismussteuer zu tun, von der man nicht genau weiß, wann sie nun kommt (wurde schon mehrfach verschoben) und wie hoch sie sein wird (wohl aber von 11 auf 24% steigend). Dazu gab es Neuwahlen im Herbst, bei denen auch keiner wusste, was dabei herauskommt. Das muss jedoch bei der Reisekalkulation, also bevor Kataloge gedruckt und Preise veröffentlicht werden, vorsorglich mit einbezogen werden – ob die Erhöhung nun im Sommer 2018 oder zum Jahresbeginn 2019 erst kommt ist dabei egal.

Jedenfalls ist das, was ich an Reisen bekommen habe, mehr als dünn. Erst im Juni geht es überhaupt los, und alles in allem kann ich davon nicht leben. Der Schock saß ganz schön tief und die Panik überrumpelte mich. Ein lieber Freund stellte die entscheidende Frage: „Ist dein Projekt nun insgesamt auf der Kippe oder ist es nur sehr viel schwieriger geworden?“ Klare Antwort: Nein, mein Entschluss ist nicht gefährdet. Es ist nur herausfordernder geworden, und es kostet Zeit und Kraft, nach Lösungen zu suchen. Aber es wird welche geben.

Eine davon ist, dass ich meine Möglichkeiten erweitern werde. Im Januar kommt die Liste der Tagestouren für Kreuzfahrtschiffe. Ich werde außerdem Bewerbungen an weitere Touranbieter senden. Im Kindergarten oder Altersheim kann ich nachfragen, ob ich dort tage- bzw. wochenweise arbeiten kann. Und ich habe schon angefangen, intensiv mein Englisch aufzupolieren, gleichzeitig auch weiter Isländisch zu lernen. So schaffe ich es, meine Hirnzellen wieder so zu vernetzen, dass beide Sprachen sich nebeneinander entfalten können. Bisher war alles vom Isländischen überlagert und die Hirnschublade mit den Englischvokabeln klemmte gewaltig. Nun verknüpfe ich das miteinander mit dem Ziel, dass ich im Sommer problemlos auch englischsprachige Reisende begleiten kann.

Darüber hinaus denke ich über mein eigenes Portfolio nach. Dazu muss ich meine Homepage überarbeiten, das wird demnächst passieren. Und ich bin dabei, den Personenbeförderungsschein zu beantragen. So kann ich mit meinem PKW Touren für ein bis drei Personen anbieten. Langfristig (und im Moment weder zeitlich noch finanziell zu leisten) werde ich den Führerschein D machen, damit ich Kleinbusse bis 16 Personen fahren kann. Als Driverguide habe ich dann auch nochmal andere Chancen bei den Reisegesellschaften.

Um auf der Ausgabenseite zu sparen, habe ich den Traum von einer Wohnung erst einmal beiseite gelegt – es wird also wieder ein kleines Zimmer werden. Ich habe schon ein paar Ideen, wie ich das noch optimieren kann, damit es auch längerfristig nicht nur eine Notlösung sein muss. Mal sehen, was sich da ergibt.

In Berlin dagegen behalte ich meine Wohnung, und zwar nicht aus Nostalgie oder weil ich nicht loslassen kann. Ich habe zwei zuverlässige langfristige Untermieter gefunden, die ich schon lange kenne und die dringend ein neues Zuhause brauchen. Ich verhandle gerade mit meiner Wohnungsgesellschaft, die sich wie immer erstmal quer stellt. Jedenfalls behalte ich hier ein Zimmer und kann also jederzeit Quartier nehmen und habe meinen Anker, falls doch etwas so schief läuft, dass ich keinen anderen Ausweg weiß als zurückzukehren. Aber das ist nur ein Not-Anker, nichts womit ich im Moment wirklich rechne.

An Weihnachten hatte ich die Bude voll. Eine meiner Schwestern mit Mann und Kindern und meine Mutter waren eine Woche lang meine Gäste und wir hatten eine sehr schöne Zeit miteinander. Am Ende waren beide Autos voller als auf der Herfahrt, denn meine Schwester hatte jede Menge Dinge eingepackt. Es ist gut, dass schon einiges weg ist, aber ich habe plötzlich auch gemerkt, wie ich an manchen dieser Lieblingsdinge hänge. Und wie schwer es mir auf einmal fällt, alles loszulassen. Ich frage mich, ob ich das tun muss (Nein!) und ob ich das tun will (Das weiß ich noch nicht.). Vielleicht vermiete ich doch einige Dinge weiter statt sie zu verkaufen. Natürlich sind einige Dinge mit meiner bisherigen Lebensgeschichte verknüpft. Und natürlich stehen sie letztlich auch nur als Synonym für die Menschen, die ich demnächst loslassen muss, mich verabschieden für längere Zeit. Und ich bin realistisch genug zu wissen, dass nicht alle Beziehungen überdauern werden. Das tut weh. Auch wenn ich weiß, dass Neues wächst.

Ich habe mir vorgenommen, nicht sofort wie wild nach einer Lösung zu suchen. Ich will loslassen, dann findet sich alles von selbst. Ich entscheide erst einmal nichts. Wenn ich soweit bin, werde ich wissen, wie ich es mache. Im Keller ist Platz, manches kann auch in der Wohnung bleiben. Oder es wird eben doch zu Geld gemacht. Wird sich finden zur rechten Zeit. In Island geht die Weihnachtszeit bis zum 6. Januar, dem dreizehnten Weihnachtstag. Bis dahin lasse ich alles ein bisschen geruhsamer angehen. Bis dahin mache ich quasi Ferien. Ich lasse es. Lasse los. Lasse es für einen Moment gehen – ge(h-)lassen. Und dann geht es wieder los. Alles zu seiner Zeit.

Wenn ich am Ende dieses Jahres zurückschaue, bin ich sehr dankbar. Ich lese meinen Tagebucheintrag von Silvester 2016 und staune, dass fast alles sich erfüllt hat, was ich mir erhofft hatte. Ich bin reich und gesegnet.

Und ich will auch allen Danke sagen, die mich begleitet haben. Danke für das Interesse an meinem Blog, danke für alle Begegnungen, Grüße, Ermutigungen und Anmerkungen in den Kommentaren – das bedeutet mir sehr viel. Ich wünsche Dir und mir, dass das neue Jahr ein gutes und gesegnetes wird. Dass wir Neues entdecken und Altes würdigen können. Dass wir gelassen und heiter Schritt für Schritt weitergehen, loslassen, weil wir nicht das Zentrum des Universums sind, sondern da noch andere mit uns unterwegs sind. Und weil, so glaube ich, einer über uns ist, der alles in der Hand hält, und weil zur rechten Zeit alles so kommt wie es kommen soll und gut ist. In diesem Sinne:

Ein frohes neues Jahr!

Hier noch ein paar Impressionen aus dem Christmas-Garden „Windterwonderland“ im Botanischen Garten Berlin, den ich mit meiner Familie besucht habe:

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Loslassen

Wer hat an der Uhr gedreht?!

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Ist es wirklich schon November? Unfassbar. Die Umbrüche kosten mich einfach immer zu viel Energie und Fokus auf anderen Dingen. So verkümmert der Blog auf der ToDo-Liste… Eins voraus: Auch deshalb wird sich etwas grundlegend ändern. Aber nun erst einmal Rückblende.

Zwei Monate ist es her, dass ich mich tatsächlich ziemlich gequält habe beim Zusammenpacken all meiner Sachen. Das Packen fiel mir extrem schwer und ich habe das Gefühl, dass es von Mal zu Mal schwieriger wird. Dazu kam, dass ich wirklich müde war nach dem arbeitsreichen Sommer. Ich wollte nur noch abhängen. Und ich wollte nicht weg. Aber letztlich war alles pünktlich fertig. Ein paar Sachen konnte ich bei lieben Freunden unterstellen. Und dann ging es wieder einmal um die halbe Insel herum.

_MG_0590Die Fahrt nach Norden war anstrengend und zugleich wunderschön. So viele Erinnerungen sind dabei immer mit auf dem Weg. Es regnete ziemlich heftig, aber das nahm nichts von der zauberhaften Schönheit des farbenprächtigen Herbstes. Sieben Regenbögen begleiteten mich auf meiner Fahrt! Unterwegs traf ich noch einmal Freunde, genoss ein herrliches heißes Bad, hielt immer mal wieder an, um Fotos zu machen. Und so schwer es mir fiel, mein Zuhause wieder zu verlassen – ich komme ja zurück. Das ist tröstlich.

_MG_0587Das Besondere diesmal war die vorerst letzte Fahrt Richtung Fähre. Denn – und hier nun also die News – im nächsten Jahr werde ich tatsächlich kommen, um zu bleiben. Ich habe mich schon im Juli entschieden, dass Island nun mein Zuhause sein soll. Das stetige Hin und Her kostet mich viel an Energie, Vokabeln verlieren sich, der Gedanke an die Fähre verursacht mir dank meiner Affinität zur Seekrankheit immer schon im Vorfeld Horrorgedanken, die Fähre wird außerdem immer teurer und ich kann für denselben Preis mehrere Male zwischen Deutschland und Island hin und her fliegen. Dazu kommt, dass es in Deutschland einfach sehr schwer ist, für einen kürzeren Zeitabschnitt einen qualifizierten, gut bezahlten Job zu bekommen, und so genieße ich in Berlin zwar meine wunderschöne Wohnung (samt eigener großer Küche!), schlage mich aber arbeitsmäßig irgendwie durch. Es gibt noch eine Menge weiterer Gründe, aber ich habe einfach das sichere Gefühl, dass das jetzt genau richtig ist.

Natürlich wird mir der enge Kontakt zu meinen Freunden fehlen. Aber ich kann nach Saisonende für längere Zeit nach Deutschland kommen, um Zeit mit ihnen und meiner Familie zu verbringen. Natürlich gehe ich mit klopfendem Herzen, schrecke manchmal vor meinem eigenen Mut zurück – die Panik kommt und geht in Wellen. Manchmal fragen Leute: Du gehst für immer? Nein, sage ich dann jedes Mal. „Immer“ ist ein großes Wort. Ich kann nicht sagen, für wie lange. Ich werde schauen, wie lange es sich gut und richtig anfühlt. Wenn es das nicht tut, werde ich etwas ändern, neu justieren. So, wie ich eigentlich gedacht hatte, dass das Modell „Halb Island und halb Deutschland“ ein gutes sei,  und dann festgestellt habe, dass es zu anstrengend ist. Das was ich tue ist, meinem Herzen zu folgen. Darum geht es mir. So wie die Inschrift auf einem Bus in Reykjavík: „Besta leiðin er að fylgja hjartanu – Der beste Weg ist, es dem Herzen zu folgen.“

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Es bleibt also mal wieder spannend. Hier anzukommen war nicht so schwer wie vor einem Jahr – ich war von Anfang an wirklich hier, wenn auch die ersten vier Wochen immer sehr müde. Ich habe Riesenglück mit meiner Vermittlerin bei der Arbeitsagentur. Es ist dieselbe wie im letzten Jahr, sie hat mir aufmerksam zugehört, mich aller Bedingungen enthoben, da ich ja schon feste Pläne für die Zukunft habe, und am Ende des Gespräches mich gleich schon abgemeldet für Ende April. Das heißt, ich habe das große Geschenk, nun „versorgt“ zu sein mit dem Nötigsten UND mit genügend Zeit, um alles zu sortieren, zu verkaufen, zu verpacken. Fünf große Kisten Bücher und eine Reihe Schallplatten sind schon verkauft. Auf einigen Möbeln klebt schon ein virtueller Zettel „Geht an …“. Es bleibt mir aber noch genug zu tun. Und dazwischen genieße ich das Leben und Hiersein. Und der Rest: Wird schon werden 🙂

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Wer hat an der Uhr gedreht?!

Auf Foto-Tour (2)

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[Abendstimmung am Goðafoss]
IMG_20170831_194844 (Large)FOTOURIO ist eine Berliner Firma, die Workshops und Touren rund um das Thema Fotografie anbietet. Dazu gehören Bildbearbeitung & Co, interessante Locations in Berlin, aber eben auch Fotoreisen weltweit – in die USA, nach Kuba, Prag, Lissabon, London etc., und seit 2017 eben auch Island. Ich durfte diese beiden von dem Fotografen Steffen Herbst angebotenen Touren als Tourguide mit konzipieren und begleiten. Nebenbei habe ich auch für mein eigenes Fotowissen profitieren dürfen. Die Fototour 1 habe ich schon gewürdigt (inklusive des Tourberichts von Dirk Neubauer), Tour 2 war allerdings nochmal ganz anders, und diesmal berichte ich etwas ausführlicher.

Fototour 2 ReykjanesrifffDiesmal haben wir uns mit sechs fotobegeisterten Menschen auf den Weg um die Insel gemacht, zwei Wochen lang, um die besten Foto-Locations aufzusuchen. Dabei hat uns dasselbe Auto wieder (meistens) gute Dienste geleistet. Nur die Treppe des Ford Transit, die willkürlich einfuhr oder eben auch nicht, hat uns immer wieder geärgert. In einfachen, aber freundlichen Gästehäusern und Hotels haben wir nicht nur übernachtet, sondern abends immer wieder Bilder gesichtet, sortiert und teils bearbeitet. Dabei gab es sowohl tagsüber an einzelnen Locations als auch abends immer wieder Theorie-Einheiten, die ganz und gar nicht theoretisch, sondern absolut praxisrelevant, fundiert und anschaulich waren. Steffen hatte außerdem ein großes Angebot an verschiedenen Filtern dabei, sodass wir wirklich gute Voraussetzungen für unsere Bilder hatten.

Der Süden und Osten

2017-08-24_00001 (Large)War bei Tour 1 das Wetter ungewöhnlich stabil und fast hochsommerlich – es gab nur wenige regnerische Tage -, waren bei Tour 2 die Vorzeichen komplett umgekehrt. So viel Regen, Starkregen, Nieselregen, Nebel… Nach dem sonnigen Anreisetag und der ersten Tour um die Halbinsel Reykjanes mit zumindest etwas Sonne, fielen danach immer wieder Locations dem heftigen Regen zum Opfer. Am Geysir hatten wir zum Glück Quartier, sodass am nächsten Morgen in aller Frühe ein paar Bilder gelangen. Die Reise entlang der Südküste versank nahezu im Regen. Bei den

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[Mein Schirm kommt zu Ehren]
ersten beiden Wasserfällen war das nicht weiter schlimm, denn hier wären wir bei jedem Wetter nass geworden. Der Gljúfrabúi („Schluchtenbewohner“) stürzt nämlich in einer Höhle herunter, über die man auf Steinen im Wasser balancierend gelangt, um dort vom Spritzwasser empfangen zu werden – ein ebenso tolles Erlebnis wie es auch eine große Herausforderung an das Kamera-Equipment ist. Und auch der Seljalandsfoss, hinter den man gehen und durch den Wasserschleier nach draußen sehen kann, bringt durch die Gischt jede Menge mit sich. Den großen Wasserfall Nummer drei, den Skógafoss, schauten wir dann nur kurz aus dem Bus an, bevor wir im Dauerregen weiterfuhren. Alternativ gönnten wir uns den Kinofilm im þorvaldseyri-Center rund um den Ausbruch des berühmten Eyjafjallajökull. Auch der Ausflug an das Südkap fiel ins Wasser.

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[Papageientaucher am Reynisfjara]
Das haben wir dann allerdings am nächsten Morgen nachholen können – es gab ein kurzes regenfreies Fenster; belohnt wurden wir von einer unzähligen Schar an Papageientauchern, die sich uns regelrecht präsentierten! Bei der ersten Fototour konnten wir sie nur fliegen sehen, denn sie waren noch mit der unermüdlichen Fütterung der Jungtiere beschäftigt, die nun alle schon groß genug und außerhalb ihrer Nester waren – herrlich! An der nächsten Location in der Eldhraun („Feuerlava“) gab es Zeit zwei Bilder, dann strömte der Regen auch schon wieder herab. Die großartige Fjarðrárgljúfur-Schlucht sind wir von oben nach unten gelaufen – der spektakulärste Ausblick zuerst, aber dafür auch für eine kurze Zeit regenfrei. Nach der Fahrt durch die großen Sanderebenen im Nebel klarte auch der Svínafellsjökull-Gletscher noch einmal für uns auf, sodass wir den Pfad an seiner Seite noch ein gutes Stück hinaufklettern konnten. Alles in allem hatten wir mit den regenfreien Fenstern also jede Menge Glück.

 

 

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[Svínafellgletscher]
Der Ausblick auf den nächsten Tag ließ mich aber nun doch ziemlich verzweifeln, denn es gab einfach keine Alternativen, die ich hätte bieten können. Und eigentlich ist dies einer der großen Höhepunkte, die Gletscherzungen rund um den Vatnajökull-Nationalpark (der größte Gletscher Europas), die Fahrt auf der Gletscherlagune mit ihren meterhohen Eisbergen, der so genannte Diamond-Beach mit seinen Eisstücken im schwarzen Sand, die wie Diamante schimmern… Aber hier zeigte sich die Qualität der

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[Torfkirche Hof im Gebiet Öræfi]
überaus entspannten Gruppe, die ein wahrer Segen war: „Das wussten wir doch vorher, dass Island so sein kann. Da kann man eben nichts machen. Wir genießen dann eben mit den Augen. Schade, dass man keine Fotos machen kann, aber es ist ja trotzdem unglaublich schön hier!“ Das hat mich wirklich verblüfft, mit welcher Gelassenheit die Gruppe die ganze Fahrt über sich durch den Regen kaum frustrieren ließ. Und so wurde die Wanderung zum Svartifoss als erstaunlich schön und regenarm wahrgenommen, eine Torfkirche noch als kleines spontanes Extra mitgenommen, und der Rest des vernebelt-verregneten Tages dennoch auch als schön empfunden und das Beste draus gemacht.

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[Blick vom Pass Allmannaskarð zu den Gletscherzungen des Vatnajökull]

Der Norden

IMG-20170830-WA0005 KopieDie Ostfjorde, Tag 7, endlich ohne Regen. Sie haben einen eigenen Charme, man muss sich aber schon ein bisschen Zeit nehmen, wenn man nicht stur die lange Strecke hinter sich bringen möchte, um zu den großen Sehenswürdigkeiten im Norden weiter zu rasen. Ich mag diesen Tag immer besonders, weil er nach all den vielen Eindrücken ein bisschen das Hirn durchpustet. Die Ostküste ist teilweise von langen schwarzen Stränden, teils von spektakulärer Steilküste, teils von tief eingeschnittenen Fjorden geprägt; die treppenartigen Berge scheinen schräg aufgestellt (und sind es auch, was mit der Schwerkraft während der vulkanischen Aktivitäten vor 13 Millionen Jahren zu tun hat), wirken teils mystisch und manchmal skurril. Wir nehmen uns viel Zeit in Stokksnes und im Wasserfall des Berufjördur, bevor wir in Petras Steinsammlung Halt machen.

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[Dettifoss]
Endlich, endlich haben auch wir ein paar Tage mit Sonne. Es ist eine Wohltat. Ein Wasserfall unterwegs, ein Stopp im beginnenden Hochland, dann geht es zu einem der großen Wasserfälle: Der Dettifoss präsentiert sich mit Regenbogenspektakel. Weiter geht es zum Mývatn-See, an dem wir zwei Tage bleiben, um all die Sehenswürdigkeiten zu genießen: Eines der größten Solfatarenfelder Islands – Hverarönd, das Felsenlabyrinth Dimmuborgir, die Wanderung um den wassergefüllten Krater Víti am Vulkan aktiven Krafla, die Pseudokrater im See, spätabends dann der Besuch im Naturbad Mývatn.

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[Kratersee im Krafla-Víti]
Etwa eine Dreiviertelstunde entfernt hatten wir unser nächstes Quartier wieder an einem wunderschönen See. Von hier aus ging es abends noch zum Goðafoss (siehe Bild ganz oben), den ich teilweise wöchentlich besucht hatte im letzten Sommer, immer mit Tausenden von Touristen. An diesem Abend hat er mich wieder ganz neu fasziniert: Viel weniger Menschen und zauberhaftes Licht… Danach sind wir in den Hot Pot hinter unserem Gästehaus gestiegen und haben dort die Dunkelheit, den aufgehenden Mond über dem See und die ersten Nordlichter begrüßt und genossen. Es waren großartige Bedingungen, und die Gruppe hat einige Stunden Nachtschlafes für eine großartige Nordlicht-Show geopfert. Ich bin schlafen gegangen – wenn ich als Guide unterwegs bin, brauche ich meinen Schlaf, um am nächsten Morgen wieder fit und entspannt zu sein.

20170813_Whalewatching41 (Large)Noch ein Sonnentag war uns vergönnt – und ein weiteres Highlight: Beim Whalewatching im wunderschönen Eyafjörður sahen wir jede Menge Wale, einige davon schwammen so dicht ans Ufer heran, dass die Crew völlig aus dem Häuschen war – das hatten sie noch nie gesehen. Kommentar des Guide: „Normalerweise kommen Wale an den Strand, wenn sie sich entschieden haben zu sterben. Diese hier wollen das aber offensichtlich nicht, denn sie haben eine Menge Spaß!“ Schließlich ein Erlebnis, das man nur bei 5 % aller Walfahrten hat: Zwei komplett aus dem Wasser springende Wale! Leider in größerer Entfernung, aber dennoch einmalig und fast unwirklich. Als wir dann beim anschließenden See-Angeln noch jede Menge Fische fingen – zum Teil mit zwei bis drei Fischen an einer Angel! – konnte ich noch an Bord organisieren, dass wir an Land in einem Restaurant den großen Grill benutzen durften. Wir packten all unser Brot, Gemüse usw. aus und machten ein großes Gelage daraus. Die Getränke wurden uns im eigentlich geschlossenen Restaurant gezapft, und einer Gammelhai-Verkostung konnten einige dann auch nicht widerstehen (dafür gab es ein Mut-Zertifikat!).

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[Hvítserkur bei Ebbe]
Tja, und dann hatte er uns wieder, der Regen. Und wie. Lange Fahrstrecken an diesem Tag, ein Torfgehöft mit Museum, eine Torfirche, und schließlich nach einer halben Stunde schlechten Weges zu einer Steinskulptur im Meer, die bei Ebbe anlandet: Der Hvítserkur. Einige haben sich dennoch nicht abhalten lassen, den Hang nach unten zu klettern, aber für andere war das Regenlimit nun wirklich erreicht. Das Foto hier stammt von Tour eins, wo das Wetter ja deutlich besser war.

Der Westen

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[Der Kirkjufellsfoss konnte leider nur bei Fototour 1 in Szene gesetzt werden]
Der nächste Tag wurde leider nicht besser – die Halbinsel Snæfellsnes brachte extrem lange Fahrten mit sich, und leider neben dem Niesel auch Nebel. Der lichtete sich glücklicherweise bei den ersten beiden Locations in Arnastapi und am Malaríf. Am Djúpalónssandur mit seinem schwarzen Sand und rotbraunen Trümmerteilen eines Trawlers, der hier 1948 gesunken ist, versanken auch wir letztlich im Nieselpieselnebel. Durchgeweicht und ein bisschen frustriert entschieden wir unsere eigentliche Haupt-Location, die Wasserfälle am Kirkjufell („Kirchenberg“, so genannt wegen der Form, die an ein Kirchendach erinnert) bei Grundafjörður wegzulassen, da sämtliche Berge ohnehin im Nebel verschwunden waren. Die Rückfahrt war mühevoll, nur Steffen und ich blieben wach, während alle in seligem Schlummer die Ereignisse des Tages verarbeiteten. Am Abend ein wunderbares Essen in Borganes, wo wir im Landnahmezentrum einen Tisch bestellt hatten.

Und damit war unsere Reise fast zu Ende. Am nächsten Tag standen nur noch die Wasserfälle Hraufossar und der Barnafoss an, immerhin blieb das Wetter trocken bis zu unserer Abfahrt. Dann ging es Richtung Reykjavík. Nach dem gemeinsamen Eisessen im Hafen ging es zum CheckIn ins Hotel, bevor wir uns abends noch zum Abschiedsessen in der Stadt trafen. Das Putzen des Busses war dann Aufgabe von Steffen und mir, während die Gruppe einen Tag zur freien Verfügung hatte, um zu bummeln, zu reiten und so weiter.

Alles in allem waren die beiden Foto-Touren ein schöner Abschluss meiner Reise-Saison, die erst 2018 wieder für mich beginnen wird. So hoffe ich es jedenfalls.

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Auf Foto-Tour (2)

Die Tage sind am Schwinden

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Es wird Herbst. Schon auf der zweiten Fototour haben wir im Norden genießen können, wie die Heide bunt wird, die Bäume sich färben und der isländischen Landschaft noch einmal einen besonderen Goldüberzug gewähren.

Auch die Nächte werden länger. Mitte August wird aus den immer noch dämmerungshellen Nächten ziemlich schnell Dunkelheit, die sich ausweitet. Inzwischen ist es schon abends um 21 Uhr richtig dunkel, und es geht nun rasant voran, dass die Tage schwinden.

Auch die Temperaturen ändern sich. Die Jacken und Pullis werden wieder dicker, Schal, Mütze sind sowieso nie ganz weggepackt gewesen. Aber nachts ohne Handschuhe auf Nordlichtjagd zu gehen, ist schon fast dumm zu nennen. So ging es mir jedenfalls – in der Stadt 9°C, auf dem Land piepste mein Auto dann Glättewarnung bei 3°C. Gut, dass ich heißen Tee dabei hatte, als wir auf Nordlichtjagd gingen. Den Eiskratzer hätten wir auch bei der ersten Fototour im Norden an einem frühen Augustmorgen schon brauchen können.

Nordlichter sind ja das ganze Jahr über da, sofern die Sonnenaktivitäten vorhanden sind, aber man sieht sie eben nur bei Dunkelheit. Und das ist das Schöne an den schwindenden Tagen – die dunklen Nächte bringen ihre Schönheit hervor. Ich bin keine große Jägerin, die jede Nacht auf Lauer liegt. Aber manchmal MUSS man einfach los. So wie letzte Woche, als eine Nordlichtwahrscheinlichkeit von 9 von 9 möglichen Punkten angezeigt war. Alle waren aus dem Häuschen. Das hatte es 2003 das letzte Mal gegeben. Sogar in Deutschland wurden Sichtungen für möglich gehalten. Auf der Sonne gab es eine ziemlich heftige Eruption, tagelang wurde eine schon ziemlich hohe „7“ vorhergesagt, die dann aber abends jedesmal in sich zusammenfiel und nur noch eine „1“ oder „2“ übrig ließ. Aber diesmal musste es einfach klappen.

Als ich abends dann mit zwei griechischen Freunden los fuhr, waren wir hoffnungsvoll, es war immer noch „8“ prophezeiht, fuhren bis zum þingvellir-See – das sollte die Nacht der Nächte werden. Aber ach, die Anzeige sank zwar nur auf „5“, alles in allem war es jedoch enttäuschend. Erst machte der Vollmond uns einen Strich durch die Rechnung, dann zogen die Wolken immer mehr zusammen, sodass wir wieder Richtung Süden fuhren, und auch die Aktivitäten am Himmel waren alles in allem nur sehr kurz. Schade, aber es war dennoch ein wunderbares Abenteuer, und eine gute Kamera sieht ja oft noch viel mehr als das, was wir mit bloßem Auge erkennen können.

 

Ansonsten merke ich auch persönlich, dass der Sommer vorüber ist. Zum einen: Er war unglaublich intensiv und arbeitsreich. Jetzt habe ich zum ersten Mal richtig frei. Und merke, wie müde ich bin. Ich habe also keine Muße mehr zum Herumreisen, obwohl es noch so viel gibt, das ich sehen will – nächstes Jahr wird es neue Chancen geben dafür. Ich treffe stattdessen Freunde, manche endlich – zum ersten Mal in diesem Jahr, manche zum letzten Mal – meine guten Freunde Yannis und Themis gehen zumindest temporär zurück nach Griechenland… Und es gibt noch ein paar Behördengänge zu tun. Und so langsam denke ich auch an das Packen. Ich habe Freunde gefunden, bei denen ich einen Teil meiner Sachen lassen kann, sodass sie nicht hin und her kutschiert werden müssen, das ist großartig. Heute gibt es eine Danke-Party von einem meiner Arbeitgeber – die Saison ist vorüber. Und tatsächlich, heute in einer Woche geht die Fähre schon… Die Zeit ist viel zu schnell gerast diesmal…

Ganz überraschend gab es aber letzte Nacht noch eine schönes Abschiedsgeschenk. Ich war von einer Einladung bei lieben Freunden nach Hause gegangen, kroch ins Bett, las noch etwas bei Facebook. Dort poppten in einer „Nordlichtgruppe“ die Meldungen auf: „Nordlicht hier“, „Nordlicht dort“ – alles Orte, die relativ nahe waren, aber doch zu weit, um mich nochmal aufzuraffen. Dann schrieb jemand:“ Starke, tanzende Lichter über der Innenstadt“. Da war ich ruckzuck in warmen Klamotten und auf der Straße. Um mich herum ist leider alles extrem beleuchtet – dennoch tanzte und waberte es am Himmel so stark, dass es auch hier deutlich zu sehen war. Ich suchte mir die dunkelste Stelle im Garten, aber ich wollte den vollen Genuss. Ich schnappte mir meine Kamera und setzte mich ins Auto, um wenigstens ein paar Minuten weiter in ein Waldstück zu fahren, das in der Nähe von „Perlan“ liegt. Auch dort war es eigentlich noch zu hell, ich hatte allerdings die Befürchtung, dass es schnell wieder vorbei sein könnte, und wollte lieber alles genießen so lange es ging. Stattdessen wurde es jedoch das schönste Spektakel, das ich bisher am Himmel gesehen habe. Knapp zwei Stunden dauerte es an, und ich wusste gar nicht, wo ich zuerst hinschauen sollte. Es war ein Traum. Nur wenig davon lässt sich mit der Kamera festhalten, vor allem weil alles ständig in Bewegung war. Es war ein großartiges Geschenk, das mich erfreut hat und das ich also hier gerne teilen will. Bitteschön:

 

P.S. Ich werde noch von Fototour 2 erzählen, aber ich bin einfach noch nicht fertig mit diesem Artikel. Ich werde ihn also nachreichen 🙂

Die Tage sind am Schwinden

Kein gewöhnlicher Samstag: Menningarnótt

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Der Stadtsee „Tjörnin“ gegen 19 Uhr – Menschenmassen ziehen zu den Konzerten.

Dass viele Menschen an einem Samstag in Reykjavíks Innenstadt unterwegs sind, ist nichts Besonderes. Dass es coole Kulturangebote gibt, auch nicht. Aber dass die ganze Stadt auf den Beinen zu sein scheint, am Wochenende nach Schulbeginn am 20. August? Da muss wohl „Menngingarnótt“ sein.

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[Überall Konzerte]
„Menningarnótt“ ist für viele Reykjavíker ein wichtiges Datum. Ist man weggezogen, kehrt man gerne heim, um unendlich viele Bekannte und Freunde zu treffen bei dieser „Kulturnacht“. Eigentlich ist „Nacht“ nicht ganz treffend, denn das Ganze beginnt schon morgens mit einem Marathon und geht dann ab mittags mit jeder Menge Aktionen weiter, die auch nur im Allerentferntesten mit Kultur zu tun haben. Viele Museen haben Sonderschauen, Gesprächsangebote, Kunstaktionen und sowieso freien Eintritt, wie fast alles frei ist an diesem Tag. Sogar die Busse. Es gibt unzählige Konzerte, Straßenkunst, Lesungen… Vor allem aber eine großartige Stimmung. Kaum einer scheint daheim zu bleiben. Das merkt man besonders, wenn das Feuerwerk gegen halb zwölf nachts die Menningarnótt beschließt und die Massen sich durch die Straßen heimwärts bewegen.

 

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[Polizeimotorrad ausprobieren 🙂 ]
Großartiges Wetter macht das Festival perfekt. Ich selbst mache mich nachmittags auf den Weg. Das Auto bleibt besser zu Hause, der gesamte Innenstadtbereich ist ohnehin abgesperrt. Ich laufe durch die Stadt, lasse mich treiben. In der Hallgrimskirkja großartige Konzerte. Unterwegs bleibe ich bei einem Harmonika-Duo stehen, als das Stück zu Ende ist, werde ich stürmisch begrüßt – einer der beiden ist ein guter Freund, den ich letzte Woche schon zufällig im Norden bei Námaskarð getroffen hatte. Nebenbei gibt es kostenlos Kaffee, Kakao und Kleingebäck. Immer wieder neue musikalische Eindrücke – für Museen fehlt mir heute ein wenig der Nerv. Ich bin immer noch ziemlich müde von der letzten Tour, ein bisschen in Heimwehstimmung, nicht wirklich bei mir. Aber dafür ist dieser Tag genau das richtige. Extrem lustig eine riesige Karaoke-Aktion, manche der Vortragenden haben wirklich schauspielerische Begabungen!

 

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[Alles for free]
Ich verweile schließlich auf der großen Konzertwiese. Der Radiosender BYLGJAN hat dort zwei große Bühnen, es gibt wechselnde Bands, kostenlose gegrillte Würstchen, kostenlose Getränke (Pepsi, Wasser, Orangenlimonade, Säfte…), wunderbare Stimmung in der Abendsonne. Später geht es zu einem Blues-Konzert, bei dem Siggi, ein lieber Freund, in der Band mitspielt. Was für großartige Musik! Vor einem Café sammelte sich eine Menschenmenge. Drinnen ist alles überfüllt, also wird auf der Straße ein Lautsprecher aufgestellt, der Sänger ist durch’s Fenster zu sehen und nimmt bei seinem Vortrag die Leute draußen genauso ernst wie die drinnen. Und so ist man auch auf der Straße live dabei, tanzt und klatscht.

 

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[Nochmal der Tjörnin, diesmal gegen 23 Uhr – immer noch sind Menschenmassen unterwegs]
Und schließlich auf dem Arnarhóll eine unübersehbare Menschenmenge. Dort befindet sich die Hauptbühne von RAS 2, einem weiteren Radiosender, und hier wird gegen 23 Uhr auch das Feuerwerk gezündet. Ich bin immer wieder fasziniert, wenn Tausende von Isländern die Lieder auswendig mitsingen und beim Feuerwerk begeistert applaudieren. Mitten in der Menschenmenge treffe ich eine Kollegin aus dem Kindergarten. Schon vorher hatte ich einen anderen ehemaligen Kollegen getroffen. Verrückt, dass selbst ich an einem solchen Tag vier Menschen treffe, die ich kenne. Kein Wunder, dass die Menningarnótt in allen Kalendern als wichtiger Termin steht!

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„Sólfarið – Die Sonnenfahrt“ – aufgenommen um Mitternacht.
Kein gewöhnlicher Samstag: Menningarnótt

Auf Foto-Tour (1)

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[Farbspiele und Linien in der Nähe des Kraters Krafla-Víti]
Zwei Wochen war ich nun mit fotobegeisterten Menschen unterwegs. Ein paar freie Tage liegen dazwischen, um für die zweite Reise wieder frisch zu sein. Beim letzten Mal waren wir zu zehnt, nächstes Mal werden wir zu acht sein.

Dass die Reise ganz anders wird als meine bisherigen Touren, war mir von Anfang an klar. Vor allem hatte ich mich darauf eingestellt, dass es sehr viel intensiver würde. Und flexibler. Die Reise war ohne Abendessen gebucht, um auf jeden Fall frei zu sein, das beste Licht mit der jeweiligen Location zu verbinden. Das hat es allerdings für mich auch teurer gemacht, aber es hat sich dennoch gelohnt. Oft haben wir miteinander in der Gruppe abgestimmt, was wir wann wie lange machen wollten. Ich habe ein paar Tage gebraucht, bis ich einigermaßen verstanden habe, wie Fotovolk „tickt“, manchmal war ich extrem unsicher, wie die Orte aus fotografischer Sicht bewertet werden würden. Ein paar Orte haben wir nun für die zweite Tour gestrichen, weil sie nicht als ergiebig erschienen, aber andere erwiesen sich als goldrichtig.

Nebenbei durfte ich von dem Leiter und Veranstalter Steffen Herbst (FOTOURIO) – geduldiger Ermutiger, unermüdlicher Informationengeber, guter Lehrer – eine ganze Menge rund um das Thema Fotografieren lernen und einige Grundlagen verinnerlichen. Für heute nur ein paar wenige Bilder, aber dafür einen wunderbaren Reisebericht von einem der Gruppenteilnehmer, Dirk Neubauer. Sehr schön erzählt, was wir erlebt haben, mit großartigen Bildern – Danke, Dirk. Beim Anschauen am besten mit der Pfeil-nach-unten-Taste lesen und nicht mit der Maus nach unten scrollen 🙂

Hier geht es zu Dirks Seite „Abenteuer Iceland“.

Stokksnes prima final (Large)
Das Wikingerdorf bei Stokksnes wurde als Filmkulisse für den Film „Vikingur“ gebaut.
Auf Foto-Tour (1)

Ausnahmesituationen

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Foto: Marianne Bischof

Die letzte Reise, die ich in diesem Jahr für meine Firma Terra Nova begleitet habe, war in vielerlei Hinsicht eine ganz besondere. Zum einen war es eine ganz wundervolle Gruppe. Völlig entspannt, nette Menschen, keiner der einem regelrecht Löcher in den Bauch fragt oder querschießt, allesamt interessiert, neugierig und dankbar für das Angebotene. Es hat uneingeschränkt großen Spaß gemacht mit diesen Leuten unterwegs zu sein.

_MG_1754 (Large)Dann war es eine komplett andere Tour als die, die ich sonst begleite. Es waren einige Orte und Wege dabei, die ich selbst noch gar nicht kannte oder die ich bisher nur privat besucht hatte (was komplett etwas anderes ist!). Es war spannend, alles mögliche selbst neu zu erarbeiten und zu entdecken. Vor allem aber war es eine Tour, die nur im Süden und Westen Islands stattfand, immer im selben Hotel. Dadurch hatten wir herrlich Zeit an den einzelnen Orten und mussten nicht ständig weiterhetzen.

_MG_1749 (Large)Mein Busfahrer war auch ganz besonders. Am Anfang war er etwas distanziert und pochte auf Pausenzeiten etc. Aber als er merkte, dass ich mit Herz bei der Sache war, ein solides Wissen mitbrachte und trotzdem noch neugierig und bereit zuzugeben, wenn ich etwas nicht weiß, da fing er an, mir etwas von seinem Wissen zu vermitteln. Er arbeitet selbst seit 30 Jahren als Guide (auf englisch) und Busfahrer und weiß unheimlich viel. Am zweiten Abend hielt er mir einen drei(!)stündigen Vortrag auf Isländisch über die gesamte isländische Geschichte. Nicht nur, dass ich megastolz war, etwa 80% zu verstehen, sondern mir gingen geradezu die Augen auf bei dem, was er mir da erzählte. Ich habe plötzlich ganz neue Zusammenhänge begriffen, verstanden warum sich manches so entwickelt hat und heute noch so ist wie es ist. Auch den Rest der Woche über konnte ich jede Menge Antworten und Tipps bekommen. Letztlich hat er mich ins Herz geschlossen, und ich darf ihn bei Fragen aller Art jederzeit kontaktieren. Ein großes Geschenk!

_MG_1787 (Large)Ganz besondere Erlebnisse sind in dieser Woche dabei:
* Ein Mann erzählt uns, dass er den ersten Jahrestag nach dem Tod seiner Frau in Island erlebt.
* Ein Junge, der überglücklich ist, dass er bei der Fahrt ins Hochland – inklusive Furten von Flüssen – vorne bei mir in der ersten Reihe sitzen darf.
* Eine Frau, die trotz Gehbehinderung unbedingt an eine Stelle mitkommen möchte, an der im Mittelalter Frauen ertränkt wurden – sie habe die Gabe, Seelen zu erlösen und es sei ihr ein Herzensanliegen, dies zu tun. Was es alles gibt.
* Ich singe in der Kirche von Skálholt die alte isländische Hymne „Heyr, Himnasmiður“ – „Höre, Schmied des Himmels“. Die Akustik trägt unglaublich, es ist sehr intensiv. Fünf Minuten später ist es immer noch mucksmäuschenstill, weil alle so ergriffen sind. Unvergesslich.
* Nach fünf gemeinsamen Tagen gibt es zwei Tage in Reykjavík, die jeder für sich gestaltet, bevor ich die Gruppe gemeinsam mit dem Busfahrer zum Flughafen bringe. Es gibt ein großes Hallo, alle umarmen mich und wollen mir erzählen, was sie erlebt haben – sehr besonders.

_MG_1756 (Large)So richtig Ausnahmesituation wird dann aber Landmannalaugar – fast alle Bilder hier stammen von dieser Fahrt in das Gebiet mit den farbigen Rhyolith-Bergen. Mein Busfahrer fährt an Stellen, die man sonst nicht sieht – wunderschöne Einsamkeit des Hochlands. Weil Touristen gerne gierig nach interessanten Erlebnissen den Reisebussen folgen, achtet er extra darauf, dass die einen weit hinter uns aus dem Blickfeld sind, die anderen uns überholen und nach vorn verschwinden. Es ist strahlend blauer Himmel, Sonne satt die ganze Woche über schon und richtig schön warm. Es ist der schönste Job der Welt den ich habe!

_MG_1801 (Large)Wir machen uns auf den Weg zu einem Spaziergang durch den „Lavaring“. Ein relativ einfacher Weg, weil er nicht hoch hinaus geht, aber er ist auch anspruchsvoll. Als wir in der ersten Schlucht Pause machen, gehen einige zurück, weil sie nicht die richtigen Schuhe anhaben. Durch die Lava wird es kletterig. Ich nehme eine ältere Dame immer an die Hand, wenn es über Felsen zu klettern gilt. Wir scherzen darüber, dass sie meine Mutter sein könnte. Als wir den anstrengendsten Teil hinter uns haben, geht es bergab. Der Weg ist leichter, aber ich halte sie wegen der Abschüssigkeit weiter an der Hand. Plötzlich rutscht sie weg, als unter ihren Füßen kleine Steinchen wegrollen. Und ihr Fuß knickt um 90 Grad zur Seite. Zwar springt er sofort zurück, aber es wird schnell klar, dass sie nicht weiter gehen kann.

_MG_1802 (Large)Der Ersthelferkurs rattert dabei sofort durch den Kopf, aber im Hochland flattern einige der Möglichkeiten gleich davon. Also: Ruhe bewahren. Einen guten Ort finden, wo sie sitzen kann. Untersuchen. Stabilisieren. Schockprophylaxe. Ich bin nicht allein. Es sind vier weitere aus der Gruppe da. Zwei suchen jedoch ihren Enkel, wir schicken sie ins Tal. Wir können die Verletzte ohnehin nicht ins Tal tragen – es ist noch eine Stunde Weg bis dorthin und der Weg teilweise sehr steil. Wie aus dem Nichts tauchen zwei deutschsprachige Engel bei uns auf, die die nächsten Stunden mit uns verbringen. Eine davon ist Röntgenassistentin und geübt bei derlei Notfällen. Geschickt stabilisiert sie den Fuß und beide helfen, wo sie nur können. Ich sitze hinter der Frau, damit sie es bequem hat am steilen Hang, halte und wärme sie. Gut, dass wir unsere Jacken nicht brauchen.

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[Von der Unfallstelle aus geht es ein kurzes Stück steil bergab, das wir nicht allein bewältigen können.]
Ich rufe meinen Busfahrer im Tal an, der sofort Hilfe organisiert. Die Bergungstrupps machen sich auf den Weg – drei als Vorhut, weitere sechs sind bei einer Übung, auf die müssen wir noch länger warten. Kurz darauf meldet sich meine Firma, auch die hat mein Busfahrer schon informiert. Sie begleiten mich hervorragend im Hintergrund. Wir haben großes Glück, dass wir Handyempfang haben. Nur ein paar Meter weiter hört er ganz auf… Immer wieder fragen Menschen, ob wir Hilfe brauchen. Eine andere Reiseleiterin lässt uns einen großen Teil ihres Trinkwassers da. Ein Arzt untersucht die Frau und prognostiziert einen doppelten Beinbruch, was sich später als richtig herausstellt. Später trägt ein starker Mann die verletzte Frau huckepack ein steiles Stück hinunter – auf Anweisung des Rettungsteams – sodass sie dort bequemer gelagert werden kann. Trotz allem sind wir von wunderbaren Menschen begleitet. Und: Wir sind an einer perfekten Stelle – raus aus dem Lavafeld, direkt unterhalb einer Abzweigung. Gut zu beschreiben für die, die uns zu Hilfe eilen.

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[Nicht immer war der Weg so einfach…]
Nach einer Stunde kommen drei Frauen des isländischen Rettungsteams Börgunarsveitun. Sie haben ein Rad dabei, das später noch zum Einsatz kommt. Außerdem Decken, Verbandsmaterial und was man sonst noch brauchen könnte.  Eine spricht perfekt deutsch, das erleichtert manches. Die übrigen aus dem Rettungsteam kommen weitere anderthalb Stunden später – sie bringen die Trage mit, die auf das Rad geschnallt wird. So muss die verletzte Frau beim Abtransport nicht getragen werden, vielmehr rollt die Trage und muss „nur“ stabilisiert werden. Hin und wieder wird sie über Hindernisse gehoben und an engen und steilen Stellen kann man nur staunen, was die Freiwilligen von Börgunarsveitun alles leisten!

Vier Stunden nach dem Unfall sind wir im Tal. Ich merke, wie sehr ich erschöpft bin. Mein Busfahrer ist inzwischen mit der Gruppe weitergefahren, bringt die Fahrt mit schönen Stopps und sicher zu Ende. Auf uns wartet noch eine gute Stunde Fahrt im Jeep des Rettungsteams und eine weitere Fahrt im Krankenwagen, der uns entgegenkommt, die meiste Zeit davon sitze ich händchenhaltend und Trost spendend neben der Frau. In der Notaufnahme des Krankenhaus Selfoss verbringen wir dann die nächsten Stunden. Ich übersetze, so gut ich kann und bin erstaunt, wie gut es trotz der Müdigkeit geht. Ich versuche die Verzweiflung, die Wut, die Verunsicherung aufzufangen, die die Schmerzen und die Warterei begleiten. Zehneinhalb Stunden nach dem Unfall und längst nach Mitternacht ist der Fuß geröngt, vom Arzt untersucht, gegipst, das Taxi bestellt und alle Rechnungen von mir bezahlt – Krankenkassenkarte und Geld der Frau liegen sicher im Hotel. Ich bin hungrig und todmüde, könnte im Stehen einschlafen. Im Hotel kommt uns ein starker Isländer von der Rezeption entgegen, nimmt die Frau vor dem Taxi einfach auf die Arme und bringt sie bis in ihr Zimmer. Ein krönender Abschluss dieses sehr krassen Tages – noch Tage später erzählte die Frau davon.

Am nächsten Morgen renne ich zwischen Telefonaten mit meiner Firma, Frühstück, Krankenzimmer und Rezeption hin und her, bitte unterdessen meine Gruppe um Geduld, bis ich alles organisiert und auch endlich meinen Kaffee getrunken habe, dauert es ein Weilchen länger als bis zur geplanten Abfahrtszeit. Die Frau muss mit einem Taxi nach Reykjavík gebracht werden, wo sie von meinen deutschsprachigen Kollegen empfangen und weiter begleitet wird. Bis zum medizinisch begleiteten Heimflug muss noch eine Menge erledigt werden…

Mein Busfahrer sucht unterdessen einen schönen Spaziergang heraus, den wir mit der Gruppe in einem Hochtemperaturgebiet gemeinsam machen, bevor wir nach Reykjavík fahren. Sonne, Wind und die schöne Natur tun uns allen gut, und wir arbeiten gemeinsam das Erlebte auf. Schließlich bringe ich mit einem hohen Konsum an Kopfschmerztabletten den letzten Tag in Reykjavík zu Ende. Stadtrundfahrt, Eisessen in der Sonne, Innenstadtspaziergang… alles geht gut. Dabei ist auch das Bild ganz oben entstanden. Nachdem die Gruppe in das neue Hotel eingecheckt ist, fahre ich nach Hause, mache alle Vorhänge zu und schlafe mehr als zehn Stunden bis zum nächsten Morgen.

Ich habe diese ganze besondere Woche sehr genossen. Und aus dem Unfall habe ich viel gelernt – über das isländische Rettungssystem, über die Hilfsbereitschaft der Menschen, über meine inzwischen erstaunlich guten Isländischkenntnisse, über Kosten die plötzlich entstehen, wenn man im Ausland einen Unfall hat, über meine großartige Firma… Beim nächsten Mal werde ich noch deutlicher warnen, sich richtig zu kleiden und vorsichtig zu sein. Obwohl, egal wie deutlich man es sagt, ausschließen kann man damit nichts, und letztlich sind es erwachsene Menschen, die mit mir unterwegs sind. Ich bin wirklich dankbar für die vielen Menschen, die selbstlos geholfen haben. Eine Erfahrung, die man sich nicht wünscht, aber die mich sehr reich gemacht hat. So sind sie, die Ausnahmesituationen.

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Wegwarte im Kaldidalur – hier waren wir ein paar Tage vorher unterwegs.

 

 

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