Version 5.0

IMG_2534„Nun bist du genauso alt wie Sophie.“ Sophie ist eine meiner vielen wundervollen Nichten (von dem einen großartigen Neffen ganz zu schweigen 😉 ). „Bloß eine Null hast du mehr…“

Tatsächlich, ich bin nun also Modell 5.0! Ein halbes Jahrhundert war im Geschichtsunterricht in der Schule ganz schön viel Lernstoff. Und auch wenn ich meine eigene kleine Geschichte ansehe, dann steckt da unglaublich viel drin. So vielen wundervollen Menschen bin ich begegnet, die mich begleitet, geprägt, gelehrt, ermutigt, ausgehalten, das Beste aus mir heraus gekitzelt haben. So viel habe ich gelernt. Durfte vieles ausprobieren. So viele großartige Erfahrungen gemacht. Manches war auch schwer. Es gab auch Momente, da war ich dem Tod näher als dem Leben. Aber ich bin immer wieder aufgestanden, hatte liebevolle Menschen um mich, habe neuen Mut gefasst und bin neu gestärkt auf neuen Wegen weiter gegangen. Dafür bin ich unendlich dankbar. Ich finde, es war trotz (oder vielleicht geraden wegen) allem ein gutes Leben bisher. Ich sehe überall eine Segensspur, wenn ich zurückschaue. Und deshalb kann ich auch gelassen nach vorne schauen, weil ich nicht allein unterwegs bin.

IMG_2528Ich war tatsächlich ein bisschen wehmütig an meinem Geburtstagsmorgen, vermisste ein paar Lieblingsmenschen in der Ferne. Aber nachdem ich die Tränchen getrocknet hatte, beschloss ich, dass es ein guter Tag werden soll, der genossen werden will. So war ich schon morgens bei meiner Freundin, die leider nicht auf den Ausflug mitkommen konnte, uns aber einen Picknickkorb vorbereitet hatte. Geplündert haben wir – also ein langjähriger Wegbegleiter und Freund aus Hamburg, ich und zwei seiner Freunde – den Picknickkorb an einem schönen Wasserfall-Ensemble, das aus Hunderten von Wasserfällen besteht, den Hraunfossar („Lava-Wasserfälle“). Meine treuen Blogleser haben schon oft Bilder gesehen von diesem schönen Ort. Und irgendwie passte es zu dem Vielerlei, das mich zu dem gemacht hat, die ich heute bin.

IMG_2536Dann waren wir in einer alten Kirche, in der ich die alte isländische Hymne „Himna Smiður“ gesungen habe, die ich so sehr mag, und meine Begleiter waren sehr berührt, so sehr, dass ich sie kaum von der Bank weglocken konnte in der Kirche. Aber das SPA-Bad „Krauma“ neben der größten Heißwasserquelle Europas wartete auf uns. Ganz neu hat es im Herbst eröffnet; ich finde es luxuriös, aber überteuert. Und immer wieder Touristen, die es nicht mal für nötig halten, sich vorher zu duschen… Genossen haben wir es dennoch.

IMG_2537Und schließlich ein großartiges Essen, im Restaurant des Landnahme-Zentrums in Borganes. Das Essen war ziemlich teuer, aber es war auch extrem lecker. Das Lamm zerging quasi auf der Zunge. Der warme Schokokuchen floss ins Eis daneben… Die Jungs haben gar nichts mehr gesagt und nur noch die Augen geschlossen und genossen. Sehr besonders. Auf dem Heimweg nach dem vernieselten Tag kam dann ein zauberhaftes Licht hervor, das uns mit großartigen Wolkenformationen ebenfalls verzückte.

Schließlich daheim, nach einem letzten Wein in der Unterkunft der Bezwinger des Laugarvegurs und einem herzlichen Abschied, warteten dann viele liebe Nachrichten auf mich. Und schon wieder hatte ich Tränen in den Augen… Ich glaube, ich werde nun langsam alt und rührselig… Nichts desto trotz: Es war ein großartiger Tag, mit dem ich das letzte halbe Jahrhundert würdig zelebriert habe.

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Version 5.0

Rundreise in Bildern.

Der Juni neigt sich dem Ende zu. Wie erwartet ein arbeitsreicher Monat. Anfang Juni habe ich begonnen, in dem kleinen Heim zu arbeiten, in dem fünf Menschen mit Behinderung leben. Bis auf die Nachtschicht, die nächste Woche kommt, habe ich die Einarbeitung hinter mir und bin nun schon „normale“ Mitarbeiterin. Es war intensiv. Ich hatte eine Woche lang Kopfweh. So viel Isländisch. So viele neue Vokabeln. So viel lernen über die Bewohner und ihre Bedürfnisse und alles, was mit ihnen zu tun hat. An den freien Tagen im Heim habe ich als Tourguide gearbeitet.

Ich war insgesamt 16 Tage unterwegs. Sechsmal bin ich den „Golden-Circle“ gefahren. Zweimal Blaue Lagune. Zweimal morgens 4 Uhr aufstehen, um auf der Halbinsel Snæfellsnes ab 8 Uhr zu guiden. Sieben Tage war ich am Stück unterwegs mit einer großartigen Gruppe, lauter Leute aus Thüringen. Es ist einfach etwas ganz anderes, mit den Leuten in Kontakt zu kommen, anstatt nur ein paar Stunden oder einen Tag miteinander zu verbringen. Es war eine großartige Woche. Ich werde euch mitnehmen und euch die Reise in Bildern beschreiben. Eine Woche, rund um Island. Los gehts!

Tag eins: Abholung vom Flughafen. Blaue Lagune. Ohne Bild.

Tag 2: Gullfoss, Geysir, Kathedrale von Skálholt. Es ist Nationalfeiertag und ich singe dort die Nationalhymne, zusammen mit einem alten isändischen Hymnus.

Tag 3: Langer Tag, lange Strecke. Seljalandsfoss, Skógafoss, Reynisfjara, Skaftafell

Und schließlich die Gletscherlagune, die voller Eis war. So viel habe ich noch nie gesehen auf der Lagune. Erst zwei Stunden vorher war ein Riesenstück abgebrochen vom Gletscher. Das Eis zerbrach teilweise in sehr kleine Stücke durch das Salzwasser vom Meer, das es zersetzte. Der Nordwind trieb alles ans Ufer und es war kaum möglich, mit dem Fahrzeug auf’s Wasser zu kommen. Noch schwerer war es, wieder herauszukommen. Es war ein Abenteuer!

 

Tag 4: Durch die Ostfjorde, Steinmuseum, Übernachtung im größten Wald Islands

Tag 5: Rjúkandi-Wasserfall, Mödrudals-Öræfi mit Hochlandfeeling, Dettifoss, Vulkankrater Víti, Hochtemperaturgebiet Hverarönd, Dimmuborgir, Myvatn, Goðafoss

Tag 6: Akureyri, Museumshof Glaumbær, Kolugljúfur-Wasserfall, Vulkankrater Grábrók

Tag 7: Borgarfjördur-Ebene, Deidarunguhver (größte Heißwasserquelle Europas!) Reykholt, Hraunfossar, Þingvellir

Es war meine einzige Rundreise. Großartige Zeit. Ich hoffe, nächstes Jahr läuft es wieder öfter „rund“ 🙂

Rundreise in Bildern.

Was für ein Genuss!

Drei Wochen Arbeit liegen hinter mir. Ich werde noch darüber schreiben. Aber der Genuss hat Vorrang 🙂

Gestern war der erste freie Tag. Obwohl ich morgens angerufen wurde, weil ich anscheinend im Dienstplan stünde. Ich hatte den Termin gestern aber mehrfach mit meinem Chef abgesprochen, denn ich wollte Leute vom Flughafen abholen. Tat mir super leid, aber sie mussten leider eine andere Lösung ohne mich finden. Nicht zu ändern. Mal sehen ob ich noch erfahre, wieso ich plötzlich im scheinbar hinter meinem Rücken geänderten Dienstplan stand… 😉

Dann bin ich nachmittags zum Flughafen Keflavik, um Bastian, einen lieben Freund aus Hamburg, sowie zwei seiner Freunde abzuholen. Sie wollen in den nächsten Tagen eine Woche auf Tour gehen im Hochland. „Herzlichen Glückwunsch!“ sage ich dazu nur, denn wir haben einen ungewöhnlich kalten und nassen Sommer bis jetzt…

Wir haben die Rucksäcke ins Quartier gebracht und sind dann gleich wieder los. Ich hatte ihnen eine nächtliche Tour auf dem „Golden Circle“ angeboten. Ein bisschen Hardcore, so viele Eindrücke gleich nach der Ankunft, aber ein großartiges Erlebnis mit der Mitternachtssonne – nach einem komplett verregneten Tag! Zwar wurde es eisig kalt (bis 2° C!!!) und wir sahen Neuschnee auf den Bergen. Aber es war ein Genuss. Seht selbst:

Gullfoss, 21:30 Uhr

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Geysir, 22:30 Uhr

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Thingvellir um Mitternacht – kein Mensch weit und breit, Stille, Wind und Vogelzwitschern…

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Und eben durfte ich – HURRA! – eine große Portion weißen Goldes genießen. Weißen Spargel gibt es hier nicht. Und ich habe ihn vermisst. Und umso größer war nun der Genuss! Danke dafür!!!

Was für ein Genuss!

Kultur-schaffen(d)

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[Klais-Orgel aus Bonn in Reykjavîks Hauptkirche]
Gerade habe ich meine Gäste an der Hanseatic (Hapag Lloyd) abgesetzt. Vorgestern waren sie mit dem Flieger gekommen, nach zwei Tagen im Hotel ist heute „Wechsel“ auf dem Schiff, das dann einmal um Island herum fährt mit diversen Stationen. Ich durfte zwei Tage lang mit ihnen unterwegs sein – sehr luxuriös in zwei großen Bussen mit zwei Guides für nur 36 Leute. Es ist immer eine Freude, wenn ich die Leute ein bisschen besser kennen lernen darf und man nicht nur einen Tag gemeinsam verbringt. Noch dazu kam gestern Morgen plötzlich ein lieber Freund mit dem Bus daher und wir hatten überraschend  die Tour gemeinsam! Ich versuche unterwegs den Gästen immer auch isländische Kultur „rüber“ zu bringen. Das fängt beim „Du“ an, das wir schon seit den 70er Jahren in Island allgemein haben, geht bei vielfältigen Informationen und Geschichten über Land und Leute weiter und endet (manchmal) auch bei isländischen Liedern, die ich für meine Gäste singe. Gestern hat der Busfahrer seine Harmonika ausgepackt und uns erfreut. Und heute war der Organist  beim Besuch der Hallgrimskirkja am Üben für ein Konzert heute Nachmittag überrascht, Gänsehaut mit seinem wuchtigen Stück auf der Klais-Orgel (Bonn).

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[Mein Busfahrer, mit Harmonika]
Gestern haben wir gemeinsam einen ganz besonderen Teil isländischer Kultur kennengelernt. Unser Mittagessen war in Friðheimar, wo eine große Tomatenzucht in geothermal beheizten Gewächshäusern stattfindet. Pro Tag werden 1 Tonne (!) Tomaten geerntet, die dank kurzer Wege frisch und reif in die Supermärkte gelangt. Da es kaum Ungeziefer gibt, müssen keine Insektizide oder Pestizide eingesetzt werden.
Hummeln aus den Niederlanden bestäuben die Pflanzen; Wasser, Licht und Wärme werden computergesteuert. Es war sehr interessant, das alles bei einer kleinen Führung zu erfahren. Anschließend gab es direkt neben den Tomatenpflanzen leckerste Tomatensuppe mit Hühnchenfleisch, frisch gebackenem Brot, Schmand und Kräutern. Ein besonderes Erlebnis, das auch für mich neu war.

Auch in den letzten Wochen konnte ich jede Menge Kultur genießen und mit gestalten. Da war beispielsweise der Europatag, den alle Botschaften gemeinsam ausrichteten. Jedes Land, das in Island eine Vertretung hat, hatte einen eigenen Stand mit großartigen Spezialitäten zum (gratis) Probieren. Von ungarischer Salami über französischen Käse und Rotwein bis zu finnischem Schnaps war alles dabei. Leider haben einige Isländer dem kostenlosen Alkohol spürbar kräftig zugesprochen… Gleichzeitig gab es ein großartiges Kulturprogramm mit Klassik, Tänzen, Multi-Kulti-Chor und dergleichen.

Dann waren wir mit unserem Chor auf Chorfahrt. Die andern haben lange gepropt, ich im Eiltempo alles einstudiert, um unsere Konzerte in Stykkisholmur (auf der Halbinsel Snæfellsness, ca. 2,5 Autostunden entfernt) und in unserer eigenen Kirche in Gardabær mit zu gestalten. Unser Chorleiter hatte lauter „Ave Maria“ herausgesucht, eines schöner als das andere. Etwas ungewöhnlich für einen protestantischen Chor, aber in Island ist das kein Problem. Wir haben einige isländische (u.a. das großartige Stück „Ég vil lofa eina þá“ von Bára Grímsdóttir, außerdem von Sigvaldi Kaldalón und Elísabet Geirmundsdóttir) aber auch von Sergej Rachmaninov (Bogoroditse Djevo), Caccini, Antonin Dvořák, Edgar Elgar (Ave Maria und Ave verum), Hans Nyberg, William Arthur Gomez. Großartige Gänsehaut-Stücke dabei!

Hier unser Chor und unser großartiger Chorleiter Jóhann Baldvinsson:

Bild könnte enthalten: 26 Personen, einschließlich Jóhann Baldvinsson, Sabine E. Fridfinnsson, Margrét Valgerður Pálsdóttir, Herdís Tómasdóttir, Valgerður Stefánsdóttir, Snorri Magnússon und Hallfríður Haffi Ólafsdóttir, Personen, die lachen, Personen, die stehen, Schuhe, Anzug und Innenbereich
[In der Kirche von Stykkishólmur „Ave Maria“ zu singen ist besonders. Maria mit dem Jesuskind als Altarbild! Foto: Thomas Fleckenstein]
Bild könnte enthalten: 2 Personen, einschließlich Jóhann Baldvinsson
[Unser Chorleiter, Jóhann Baldvinsson, spricht über die Stücke. Foto: Thomas Fleckenstein]
Bild könnte enthalten: 10 Personen, Personen, die lachen, Personen, die stehen
[Herrlicher Sonnenschein in Stykkishólmur. Foto: Thomas Fleckenstein]
 Und noch einige Impressionen aus Stykkishólmur:

Leider lässt die Kultur des Briefe-Empfangens etwas zu wünschen übrig. Als ich hier eingezogen bin, erwartete mich ein Brieflein meiner holden Schwester. Seither gab es weder Post für mich noch für meine Vermieterin. Obwohl ich mich bei der Post angemeldet hatte… Nun haben wir uns beide schon beschwert. Hoffentlich nützt es etwas. Ich habe nun den Brief von „Þjóðskrá / Register Iceland“ selbst abgeholt, um belegen zu können, dass ich ordnungsgemäß angemeldet bin. Er war tatsächlich zurück gekommen!!! Ich hoffe, das ist nicht auch mit anderen Briefen passiert. Inzwischen haben wir auch meinen Namen außen an der Tür angebracht. Ist ja zu viel verlangt „Kerstin bei Hjördis…“ zu lesen. 😉 Ich hoffe jedenfalls, es bessert sich alles. Sich so abgeschnitten von der Welt zu fühlen ist nicht fein.

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[Foto: Thomas Fleckenstein]
Nun wartet ein voller Monat auf mich. Ich habe acht Tagestouren, eine einwöchige Rundreise, einen privaten Besuch von einem lieben Freund und seinen Freunden mit ein paar gemeinsamen Touren vor mir. Um all das drum herum hat mein neuer Arbeitgeber in dem kleinen Behindertenheim die Dienste gebastelt. Nicht selbstverständlich für mich. Hat er gern gemacht, weil er mich langfristig behalten möchte. Mit oder ohne Diplom. Morgen geht’s los mit der Einarbeitung.

Kultur-schaffen(d)

Lästig, aber nötig…

Liebe Blogleserinnen und Blogleser und meine lieben Follower.

Ab dem 25.05. gilt EU-weit die neue DSGVO. Dabei geht es u.a. um den Schutz der Daten, die auf Webseiten erhoben werden. Und um die Transparenz dahinter. Ganz sicher flattern euch derzeit täglich Mails um dieses Thema herein.

Auch wenn das gute Stück eigentlich gedacht ist für Unternehmen, bereitet es nun leider auch uns Privat-Blog-Schreibenden Kopfzerbrechen, denn das Ganze ist hoch kompliziert.

Ich habe nun aber meine Datenschutzerklärung fertig und habe sie mit Hilfe der Website https://Datenschutz-Generator.de nach bestem Wissen und Gewissen erstellt.

Es ist ein langer Text. In Kürze: Ich sammle nichts von euch, aber die kleinen Hilfsprogramme und WordPress selbst tun das. Natürlich ist eure Emailadresse gespeichert, wenn ihr den Blog abonniert. Dann habt ihr sie ja selbst hinterlegt. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich euch alle nochmal persönlich fragen müsste, ob ihr das akzeptiert. Aber ich informiere euch nun hiermit. Wenn ihr im Blog oben rechts auf das Zeichen mit den drei waagerechten Linien klickt, findet ihr gleich oben als erstes „Datenschutz und Impressum“. Da könnt ihr genau nachlesen, was mit euren Daten passiert.

Soviel heute mal in eigener Sache. Danke, dass Ihr mit mir unterwegs seid.

Herzlichst, eure Kerstin

Lästig, aber nötig…

Wunder in Arbeit

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[Der See Elliðavatn, nur wenige Minuten von meinem Zuhause entfernt.]
Wer mich kennt, der weiß, dass ich meistens ziemlich gelassen bin, was das Aushalten von unsicheren Zukunftsaussichten angeht. Ich habe gerade hier in Island immer wieder erlebt, dass sich alles von ganz allein findet. Irgendwie kommt zur rechten Zeit irgendetwas plötzlich um die Ecke. Aber irgendwie funktionierte das in den letzten Wochen nicht. Es fühlte sich alles schwergängig an. Die Gelassenheit war harte Arbeit. Ich kannte mich selbst nicht mehr, war extrem angespannt und fühlte mich unter Druck. Ich verstand gar nicht so recht, was da eigentlich los war. Jedenfalls – es war Zeit für ein paar Wunder. Und zumindest in der Tiefe meines Herzens glaubte ich, dass diese Wunder schon in Arbeit sind. Und – natürlich waren sie das!

Das erste Wunder passierte schon auf dem Weg nach Island, als ich in Flensburg ein Vorstellungsgespräch hatte, das ganz großartig war und mir womöglich eine zukünftige Zusammenarbeit mit „Globetrotter-Reisen“ bringen wird. Ich bin schon lange überzeugte Gold-Kundin bei Globetrotter, und hier mit gestalten zu dürfen, wäre mir eine große Ehre. Ich bin gespannt, was sich daraus entwickeln wird!

Wunder Nummer zwei kam mit einer zusätzlichen Anfrage für zwei Tagestouren mit einer deutschen Gruppe aus Siegen. Das fand nun schon letztes Wochenende statt, eine wunderbare Gruppe, wir hatten viel Freude gemeinsam auf der Tour. Keine große Sache, aber ich bin für jeden Auftrag und jede Krone dankbar.

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[Meine erste deutsche Touristengruppe kam mit dem Schiff Celebrity Eclipse aus Dublin]
Noch kurz vor Abfahrt in Berlin hatte ich mich auf eine Job-Anzeige hin gemeldet und damit offenbar Wunder Nummer drei vorbereitet. Zwar wurde aus der Arbeit als Guide auf der Halbinsel Snæfellsnes nichts, aber sie haben mich stattdessen für eine Rundreise im Juni angefragt, für die ich gerade noch genug Zeit übrig hatte. Es wird tatsächlich meine einzige Rundreise sein in diesem Sommer, aber es ist ein neuer Arbeitgeber, bei dem ich nun den Fuß in der Tür habe.

Trotz alledem war klar, dass ich davon nicht mal meine Miete, geschweige denn alle anderen Kosten begleichen könnte. Und mehr Arbeit war einfach nicht in Sicht.

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[Nach der Golden-Circle-Tour ging es am nächsten Tag zum Entspannen in die bei Touristen sehr beliebte „Blaue Lagune“ in der Nähe von Keflavík.]
Immerhin wartete eine Riesenüberraschung auf mich – Wunder Nummer vier. Kaum war ich in Reykjavík angekommen, flatterte die wirklich großartige Nachricht herein, dass endlich ein Antwortbrief wegen der Um-Diplomierung bekommen habe. Von der Vorgeschichte hatte ich hier geschrieben. Tatsächlich können sie mir kein Diplom als Sozialpädagogin geben. Aber wenn ich mein „falsches“ Diplom als Sozialarbeiterin im Original zurückschicke, werden sie mir tatsächlich ein Diplom als staatlich anerkannte Heilpädagogin ausstellen! Juhuuuuu! Das ist eine phantastische Nachricht, denn zum einen ist es das, was ich auch wirklich mal gelernt hatte vor knapp dreißig Jahren, zum andern kann ich damit hier dann hoffentlich auch nach meiner Qualifikation bezahlt werden und muss mich nicht als quasi Ungelernte mit Mindestlohn abspeisen lassen. Herrlich. Nur, wie erklärt man einem isländischen Arbeitgeber, dass ein Diplom nach dreißig Jahren immer noch irgendwo auf dem Wege zu mir ist? Ganz schön schwierig… Bis das Ding da ist, werde ich mich also weiter mit dem Mindestlohn abgeben müssen. Das „alte“ Diplom ist jedenfalls auf dem Weg und ich hoffe und bete, dass es wirklich ankommt und dass die Prozesse nun etwas schneller gehen als bisher.

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[Das erste Eis in Reykjavík]
Ja, und dann auf einmal geschahen die Dinge alle gleichzeitig. Wunder Nummer fünf bis zehn sozusagen. Zeitgleich kamen von ganz allein mehrere Einladungen zu Vorstellungsgesprächen. Außerdem stellte sich heraus, dass ein Mann aus meinem Chor Leiter einer Behinderteneinrichtung ist und dringend jemanden sucht. Inzwischen braucht es nur noch die Zusage der Stadt für die Finanzierung und die Bestätigung darüber, dass ich eine weiße Weste habe (per Führungszeugnis). Wenn alles gut geht, werde ich Anfang Juni eingearbeitet und darf dann um alle meine Touren herum im Schichtdienst in dieser Einrichtung arbeiten, wo fünf Menschen zu Hause sind. Ich fange als „Sumarstarf“ an, also quasi Sommer-Aushilfskraft. Wenn das Diplom rechtzeitig kommt und falls es von der Stadt anerkannt wird, dann könnte ich im August als Heilpädagogin fest anfangen. Aber eins nach dem andern, bis dahin ist ja noch eine Menge Zeit.

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[Spaziergang im Elliðadalur]
Ja, und schließlich war es nötig, noch ein Fenster aufzustoßen, um mich von dem Druck zu befreien, der sich so nach und nach bei mir aufgebaut hatte. Hauptgrund dafür war nämlich, dass die Tourguide-Schule sehr viel teurer geworden ist und ich durch die Umstände einfach mein extra dafür zurückgelegtes Geld dahinschwinden sah. Jetzt habe ich beschlossen, dass ich einfach mal abwarte, wie es im August um mein Konto steht. Ich muss nicht um jeden Preis dorthin, auch nicht um jeden Preis in diesem Jahr. Es kommt wie es kommt. Habe ich das Geld, dann mache ich das mit Freuden. Wenn nicht, dann eben nicht. Oder später. Oder nur einzelne Kurse. Ich warte ab und entscheide dann.

Aber bloß nicht mehr diesen Druck. Denn das verhindert ganz eindeutig, dass das Leben WUNDERbar ist! Und das wäre extrem schade, denn der Frühling ist trotz Schnees, Kälte, Stürmen ganz eindeutig auf dem Wege, und der will genossen werden.

 

Wunder in Arbeit

Home, sweet home.

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Eine knappe Woche war ich bei Freunden zu Gast bis ich mein eigenes neues Zuhause beziehen konnte. Es ist immer ziemlich spannend, wenn aus einer bislang virtuellen Begegnung – mit dem Zimmer, aber vor allem auch mit der Vermieterin – eine reale wird. Als sich Sonntagabend die Tür öffnet, begrüßt mich eine sehr freundliche Frau in meinem Alter, und schnell wird klar, dass ich mal wieder die beste Vermieterin der Welt vor mir habe!

Der erste Anblick des Zimmerchens war wiederum eine kleine Schrecksekunde wert – doch nochmal deutlich kleiner als gedacht. Bei genauerem Hinschauen ist es nur 7,8 Quadratmeter groß – 3 Meter mal 2 Meter sechzig. Ich habe ganze vier Tage gebraucht, um alles unterzubringen und es gemütlich zu machen. Jetzt aber finde ich es großartig und habe genug Platz, fühle mich nicht eingeengt, sondern sehr wohl darin. Mit dem wunderbaren neuen Weitwinkel-objektiv (DANKE an alle meine Gäste bei der Abschieds- und Vorgeburtstagsparty!!!) sieht es gleich viel größer aus. Hier mal die Vorher- und Nachher-Version.

Diese Bilder bekam ich vorher von meiner Vermieterin:

So sieht es jetzt aus:

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Ein bisschen übertrieben war die Bemerkung, dass es genug Platz gebe für meinen Outdoor-Kram. Der ist im Wesentlichen also doch wieder im Auto… Die Kammer, in der auch Waschmaschine und Trockner stehen, ist nun voll mit meinen Kisten. Da muss ich mir unbedingt was einfallen lassen. Richtig klasse ist jedoch, dass ich nicht nur Küche und Bad, sondern auch das Wohnzimmer samt Fernseher mitbenutzen kann. All das zusammengenommen ist ein großartiges Paket und besser hätte ich es kaum treffen können. Ich fühle mich sehr wohl hier.

Und die Aussicht! Ein Traum… In der ersten Woche hatten wir – für Reykjavik im Mai sehr ungewöhnlich – jede Menge Schnee. Oft gab es sogar Schneesturm und man sah draußen kaum noch etwas. Aber fast im Viertelstundentakt hörte das schlagartig auf, die Sonne schien auf die weiße Pracht und ich war völlig hin und weg von dem ständig sich veränderten Blick aus meinem Fenster. Links ist Reykjaviks Hausberg „Esja“, der oben so platt ist, dass angeblich ein Flugzeug dort landen könnte, rechts der Ellidavatn (Vatn = See). Ich wohne also ziemlich am Stadtrand des Reykjaviker Vorortes Kópavogur, mit 35 Tausend Einwohnern zweitgrößte Stadt Islands.

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Ansonsten stelle ich fest, dass in meinem „sweet home“ alles sehr viel teurer geworden ist in den letzten sechs (!) Monaten. Ich schätze, so um die zehn bis fünfzehn Prozent sind es mindestens. Das Benzin klettert gerade in ungeahnte Höhen, und beim Einkaufen von ein paar Lebensmitteln sind ruckzuck hundert Euro weg. Wie ich mich da am besten gesund UND günstig ernähren kann, ist mir noch nicht so ganz klar. Es tut ganz schön weh zu sehen, wie das Geld auf dem Konto nur so dahinschmilzt, denn noch habe ich keine Arbeit bis auf ein paar Tagestouren, von denen ich nicht leben kann. Es fällt mir, um ehrlich zu sein, nicht immer ganz so leicht, die Gelassenheit zu behalten. Atmen, atmen, þetta reddast, das wird schon. Schön wenn dann im richtigen Augenblick eine liebe Freundin anruft und mich ermutigt 🙂

Im Sommer machen viele Isländer jobmäßig etwas anderes und daher ist immer viel Bewegung in den Sozialeinrichtungen. Leider sind viele dieser Sommerjobs anscheinend schon besetzt und die meisten suchen also für den Herbst (bzw. nach den Sommerferien, Mitte August). Dann könnte ich auch sofort wieder in meinem alten Kindergarten anfangen. Aber diejenigen Einrichtungen, die noch suchen, wollen die Bewerbungen nicht direkt, sondern elektronisch über die Seite ihrer Stadt. Und jede dieser Städte (Reykjavik, Hafnarfjördur, Garðabær usw.) hat natürlich ein komplett eigenes System. An jedem einzelnen verzweifle ich fast. Fast jedes Wort muss ich nachschlagen, fühle mich hilflos der Sprache ausgeliefert, die ich doch eigentlich schon ziemlich gut zu beherrschen glaubte. In solchen Momenten kämpfe ich manchmal mit den Tränen und fühle mich wie ein absoluter Anfänger. Vorhin saß meine liebe Vermieterin mit mir eine Stunde lang zusammen, um meine Texte zu überarbeiten… Ich bin jedenfalls gespannt, was sich da arbeitsmäßig noch tut. Meistens fügt sich ja doch alles von allein. Also, mal sehen, wann die unerwartete Nachricht von irgendwoher kommt. Nur bitte, lass es möglichst schnell sein, damit mein Zuhause hier auch mein „Home, sweet home“ bleiben kann…

 

Home, sweet home.