Die Tage sind am Schwinden

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Es wird Herbst. Schon auf der zweiten Fototour haben wir im Norden genießen können, wie die Heide bunt wird, die Bäume sich färben und der isländischen Landschaft noch einmal einen besonderen Goldüberzug gewähren.

Auch die Nächte werden länger. Mitte August wird aus den immer noch dämmerungshellen Nächten ziemlich schnell Dunkelheit, die sich ausweitet. Inzwischen ist es schon abends um 21 Uhr richtig dunkel, und es geht nun rasant voran, dass die Tage schwinden.

Auch die Temperaturen ändern sich. Die Jacken und Pullis werden wieder dicker, Schal, Mütze sind sowieso nie ganz weggepackt gewesen. Aber nachts ohne Handschuhe auf Nordlichtjagd zu gehen, ist schon fast dumm zu nennen. So ging es mir jedenfalls – in der Stadt 9°C, auf dem Land piepste mein Auto dann Glättewarnung bei 3°C. Gut, dass ich heißen Tee dabei hatte, als wir auf Nordlichtjagd gingen. Den Eiskratzer hätten wir auch bei der ersten Fototour im Norden an einem frühen Augustmorgen schon brauchen können.

Nordlichter sind ja das ganze Jahr über da, sofern die Sonnenaktivitäten vorhanden sind, aber man sieht sie eben nur bei Dunkelheit. Und das ist das Schöne an den schwindenden Tagen – die dunklen Nächte bringen ihre Schönheit hervor. Ich bin keine große Jägerin, die jede Nacht auf Lauer liegt. Aber manchmal MUSS man einfach los. So wie letzte Woche, als eine Nordlichtwahrscheinlichkeit von 9 von 9 möglichen Punkten angezeigt war. Alle waren aus dem Häuschen. Das hatte es 2003 das letzte Mal gegeben. Sogar in Deutschland wurden Sichtungen für möglich gehalten. Auf der Sonne gab es eine ziemlich heftige Eruption, tagelang wurde eine schon ziemlich hohe „7“ vorhergesagt, die dann aber abends jedesmal in sich zusammenfiel und nur noch eine „1“ oder „2“ übrig ließ. Aber diesmal musste es einfach klappen.

Als ich abends dann mit zwei griechischen Freunden los fuhr, waren wir hoffnungsvoll, es war immer noch „8“ prophezeiht, fuhren bis zum þingvellir-See – das sollte die Nacht der Nächte werden. Aber ach, die Anzeige sank zwar nur auf „5“, alles in allem war es jedoch enttäuschend. Erst machte der Vollmond uns einen Strich durch die Rechnung, dann zogen die Wolken immer mehr zusammen, sodass wir wieder Richtung Süden fuhren, und auch die Aktivitäten am Himmel waren alles in allem nur sehr kurz. Schade, aber es war dennoch ein wunderbares Abenteuer, und eine gute Kamera sieht ja oft noch viel mehr als das, was wir mit bloßem Auge erkennen können.

 

Ansonsten merke ich auch persönlich, dass der Sommer vorüber ist. Zum einen: Er war unglaublich intensiv und arbeitsreich. Jetzt habe ich zum ersten Mal richtig frei. Und merke, wie müde ich bin. Ich habe also keine Muße mehr zum Herumreisen, obwohl es noch so viel gibt, das ich sehen will – nächstes Jahr wird es neue Chancen geben dafür. Ich treffe stattdessen Freunde, manche endlich – zum ersten Mal in diesem Jahr, manche zum letzten Mal – meine guten Freunde Yannis und Themis gehen zumindest temporär zurück nach Griechenland… Und es gibt noch ein paar Behördengänge zu tun. Und so langsam denke ich auch an das Packen. Ich habe Freunde gefunden, bei denen ich einen Teil meiner Sachen lassen kann, sodass sie nicht hin und her kutschiert werden müssen, das ist großartig. Heute gibt es eine Danke-Party von einem meiner Arbeitgeber – die Saison ist vorüber. Und tatsächlich, heute in einer Woche geht die Fähre schon… Die Zeit ist viel zu schnell gerast diesmal…

Ganz überraschend gab es aber letzte Nacht noch eine schönes Abschiedsgeschenk. Ich war von einer Einladung bei lieben Freunden nach Hause gegangen, kroch ins Bett, las noch etwas bei Facebook. Dort poppten in einer „Nordlichtgruppe“ die Meldungen auf: „Nordlicht hier“, „Nordlicht dort“ – alles Orte, die relativ nahe waren, aber doch zu weit, um mich nochmal aufzuraffen. Dann schrieb jemand:“ Starke, tanzende Lichter über der Innenstadt“. Da war ich ruckzuck in warmen Klamotten und auf der Straße. Um mich herum ist leider alles extrem beleuchtet – dennoch tanzte und waberte es am Himmel so stark, dass es auch hier deutlich zu sehen war. Ich suchte mir die dunkelste Stelle im Garten, aber ich wollte den vollen Genuss. Ich schnappte mir meine Kamera und setzte mich ins Auto, um wenigstens ein paar Minuten weiter in ein Waldstück zu fahren, das in der Nähe von „Perlan“ liegt. Auch dort war es eigentlich noch zu hell, ich hatte allerdings die Befürchtung, dass es schnell wieder vorbei sein könnte, und wollte lieber alles genießen so lange es ging. Stattdessen wurde es jedoch das schönste Spektakel, das ich bisher am Himmel gesehen habe. Knapp zwei Stunden dauerte es an, und ich wusste gar nicht, wo ich zuerst hinschauen sollte. Es war ein Traum. Nur wenig davon lässt sich mit der Kamera festhalten, vor allem weil alles ständig in Bewegung war. Es war ein großartiges Geschenk, das mich erfreut hat und das ich also hier gerne teilen will. Bitteschön:

 

P.S. Ich werde noch von Fototour 2 erzählen, aber ich bin einfach noch nicht fertig mit diesem Artikel. Ich werde ihn also nachreichen 🙂

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4 Gedanken zu “Die Tage sind am Schwinden

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