Loslassen

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„Winterwonderland“ im Botanischen Garten in Berlin

Das Jahr geht zu Ende. Ein spannendes Jahr. Am Anfang hatte ich noch keine Ahnung, wo es mich hinführen würde. Und nun habe ich also im Sommer die Entscheidung getroffen, nach Island umzusiedeln. Ich habe es mir nicht leicht gemacht. Ich habe es mir wohl überlegt. Und das ist gut. Denn nun – meinen Berliner Alltag genießend – kommen die Zweifel, weil es mir auch hier gut geht und ich hier eben auch zu Hause bin. Es ist nicht leicht loszulassen. Schon gar nicht, wenn Hindernisse auftauchen.  Aber nur wenn man loslässt, kann Neues werden. Passend dazu (dieser Artikel war schon so gut wie fertig) heute eine Frage in meinem Flow-Kalender: „Was willst du heute loslassen?“ Spannend, sich dem zu stellen…

Vor ein paar Wochen kamen die Angebote meiner Firma, für die ich Rundreisen in Island begleite. Ich hatte schon befürchtet, dass es im nächsten Jahr etwas dünner würde mit den Touren. Das hat damit zu tun, dass es in diesem Jahr so extreme Preissteigerungen gab, die mit dem hohen Stand der Isländischen Krone einhergingen. Und es hat mit einer geplanten Tourismussteuer zu tun, von der man nicht genau weiß, wann sie nun kommt (wurde schon mehrfach verschoben) und wie hoch sie sein wird (wohl aber von 11 auf 24% steigend). Dazu gab es Neuwahlen im Herbst, bei denen auch keiner wusste, was dabei herauskommt. Das muss jedoch bei der Reisekalkulation, also bevor Kataloge gedruckt und Preise veröffentlicht werden, vorsorglich mit einbezogen werden – ob die Erhöhung nun im Sommer 2018 oder zum Jahresbeginn 2019 erst kommt ist dabei egal.

Jedenfalls ist das, was ich an Reisen bekommen habe, mehr als dünn. Erst im Juni geht es überhaupt los, und alles in allem kann ich davon nicht leben. Der Schock saß ganz schön tief und die Panik überrumpelte mich. Ein lieber Freund stellte die entscheidende Frage: „Ist dein Projekt nun insgesamt auf der Kippe oder ist es nur sehr viel schwieriger geworden?“ Klare Antwort: Nein, mein Entschluss ist nicht gefährdet. Es ist nur herausfordernder geworden, und es kostet Zeit und Kraft, nach Lösungen zu suchen. Aber es wird welche geben.

Eine davon ist, dass ich meine Möglichkeiten erweitern werde. Im Januar kommt die Liste der Tagestouren für Kreuzfahrtschiffe. Ich werde außerdem Bewerbungen an weitere Touranbieter senden. Im Kindergarten oder Altersheim kann ich nachfragen, ob ich dort tage- bzw. wochenweise arbeiten kann. Und ich habe schon angefangen, intensiv mein Englisch aufzupolieren, gleichzeitig auch weiter Isländisch zu lernen. So schaffe ich es, meine Hirnzellen wieder so zu vernetzen, dass beide Sprachen sich nebeneinander entfalten können. Bisher war alles vom Isländischen überlagert und die Hirnschublade mit den Englischvokabeln klemmte gewaltig. Nun verknüpfe ich das miteinander mit dem Ziel, dass ich im Sommer problemlos auch englischsprachige Reisende begleiten kann.

Darüber hinaus denke ich über mein eigenes Portfolio nach. Dazu muss ich meine Homepage überarbeiten, das wird demnächst passieren. Und ich bin dabei, den Personenbeförderungsschein zu beantragen. So kann ich mit meinem PKW Touren für ein bis drei Personen anbieten. Langfristig (und im Moment weder zeitlich noch finanziell zu leisten) werde ich den Führerschein D machen, damit ich Kleinbusse bis 16 Personen fahren kann. Als Driverguide habe ich dann auch nochmal andere Chancen bei den Reisegesellschaften.

Um auf der Ausgabenseite zu sparen, habe ich den Traum von einer Wohnung erst einmal beiseite gelegt – es wird also wieder ein kleines Zimmer werden. Ich habe schon ein paar Ideen, wie ich das noch optimieren kann, damit es auch längerfristig nicht nur eine Notlösung sein muss. Mal sehen, was sich da ergibt.

In Berlin dagegen behalte ich meine Wohnung, und zwar nicht aus Nostalgie oder weil ich nicht loslassen kann. Ich habe zwei zuverlässige langfristige Untermieter gefunden, die ich schon lange kenne und die dringend ein neues Zuhause brauchen. Ich verhandle gerade mit meiner Wohnungsgesellschaft, die sich wie immer erstmal quer stellt. Jedenfalls behalte ich hier ein Zimmer und kann also jederzeit Quartier nehmen und habe meinen Anker, falls doch etwas so schief läuft, dass ich keinen anderen Ausweg weiß als zurückzukehren. Aber das ist nur ein Not-Anker, nichts womit ich im Moment wirklich rechne.

An Weihnachten hatte ich die Bude voll. Eine meiner Schwestern mit Mann und Kindern und meine Mutter waren eine Woche lang meine Gäste und wir hatten eine sehr schöne Zeit miteinander. Am Ende waren beide Autos voller als auf der Herfahrt, denn meine Schwester hatte jede Menge Dinge eingepackt. Es ist gut, dass schon einiges weg ist, aber ich habe plötzlich auch gemerkt, wie ich an manchen dieser Lieblingsdinge hänge. Und wie schwer es mir auf einmal fällt, alles loszulassen. Ich frage mich, ob ich das tun muss (Nein!) und ob ich das tun will (Das weiß ich noch nicht.). Vielleicht vermiete ich doch einige Dinge weiter statt sie zu verkaufen. Natürlich sind einige Dinge mit meiner bisherigen Lebensgeschichte verknüpft. Und natürlich stehen sie letztlich auch nur als Synonym für die Menschen, die ich demnächst loslassen muss, mich verabschieden für längere Zeit. Und ich bin realistisch genug zu wissen, dass nicht alle Beziehungen überdauern werden. Das tut weh. Auch wenn ich weiß, dass Neues wächst.

Ich habe mir vorgenommen, nicht sofort wie wild nach einer Lösung zu suchen. Ich will loslassen, dann findet sich alles von selbst. Ich entscheide erst einmal nichts. Wenn ich soweit bin, werde ich wissen, wie ich es mache. Im Keller ist Platz, manches kann auch in der Wohnung bleiben. Oder es wird eben doch zu Geld gemacht. Wird sich finden zur rechten Zeit. In Island geht die Weihnachtszeit bis zum 6. Januar, dem dreizehnten Weihnachtstag. Bis dahin lasse ich alles ein bisschen geruhsamer angehen. Bis dahin mache ich quasi Ferien. Ich lasse es. Lasse los. Lasse es für einen Moment gehen – ge(h-)lassen. Und dann geht es wieder los. Alles zu seiner Zeit.

Wenn ich am Ende dieses Jahres zurückschaue, bin ich sehr dankbar. Ich lese meinen Tagebucheintrag von Silvester 2016 und staune, dass fast alles sich erfüllt hat, was ich mir erhofft hatte. Ich bin reich und gesegnet.

Und ich will auch allen Danke sagen, die mich begleitet haben. Danke für das Interesse an meinem Blog, danke für alle Begegnungen, Grüße, Ermutigungen und Anmerkungen in den Kommentaren – das bedeutet mir sehr viel. Ich wünsche Dir und mir, dass das neue Jahr ein gutes und gesegnetes wird. Dass wir Neues entdecken und Altes würdigen können. Dass wir gelassen und heiter Schritt für Schritt weitergehen, loslassen, weil wir nicht das Zentrum des Universums sind, sondern da noch andere mit uns unterwegs sind. Und weil, so glaube ich, einer über uns ist, der alles in der Hand hält, und weil zur rechten Zeit alles so kommt wie es kommen soll und gut ist. In diesem Sinne:

Ein frohes neues Jahr!

Hier noch ein paar Impressionen aus dem Christmas-Garden „Windterwonderland“ im Botanischen Garten Berlin, den ich mit meiner Familie besucht habe:

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Loslassen

Ein Gedanke zu “Loslassen

  1. Bella Stefans schreibt:

    wie immer haben wir Deinem blogg mitt grossem interesse gelesen.Es ist fuer uns sehr lehrreich,deine
    Gedanken und meinungen zu verfolgen.Wir hoffen doch,dass du gute arbeit bekommt und etwas
    Grösseres zum wohne als nur ein Zimmer!Wir wissen aber auch,dad’s es schwierigen ist understand Teuer.
    Viel glueck og gangi þér allt í haginn!Við heyrumst☺☺

    Gefällt 1 Person

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