Auf Foto-Tour (2)

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[Abendstimmung am Goðafoss]
IMG_20170831_194844 (Large)FOTOURIO ist eine Berliner Firma, die Workshops und Touren rund um das Thema Fotografie anbietet. Dazu gehören Bildbearbeitung & Co, interessante Locations in Berlin, aber eben auch Fotoreisen weltweit – in die USA, nach Kuba, Prag, Lissabon, London etc., und seit 2017 eben auch Island. Ich durfte diese beiden von dem Fotografen Steffen Herbst angebotenen Touren als Tourguide mit konzipieren und begleiten. Nebenbei habe ich auch für mein eigenes Fotowissen profitieren dürfen. Die Fototour 1 habe ich schon gewürdigt (inklusive des Tourberichts von Dirk Neubauer), Tour 2 war allerdings nochmal ganz anders, und diesmal berichte ich etwas ausführlicher.

Fototour 2 ReykjanesrifffDiesmal haben wir uns mit sechs fotobegeisterten Menschen auf den Weg um die Insel gemacht, zwei Wochen lang, um die besten Foto-Locations aufzusuchen. Dabei hat uns dasselbe Auto wieder (meistens) gute Dienste geleistet. Nur die Treppe des Ford Transit, die willkürlich einfuhr oder eben auch nicht, hat uns immer wieder geärgert. In einfachen, aber freundlichen Gästehäusern und Hotels haben wir nicht nur übernachtet, sondern abends immer wieder Bilder gesichtet, sortiert und teils bearbeitet. Dabei gab es sowohl tagsüber an einzelnen Locations als auch abends immer wieder Theorie-Einheiten, die ganz und gar nicht theoretisch, sondern absolut praxisrelevant, fundiert und anschaulich waren. Steffen hatte außerdem ein großes Angebot an verschiedenen Filtern dabei, sodass wir wirklich gute Voraussetzungen für unsere Bilder hatten.

Der Süden und Osten

2017-08-24_00001 (Large)War bei Tour 1 das Wetter ungewöhnlich stabil und fast hochsommerlich – es gab nur wenige regnerische Tage -, waren bei Tour 2 die Vorzeichen komplett umgekehrt. So viel Regen, Starkregen, Nieselregen, Nebel… Nach dem sonnigen Anreisetag und der ersten Tour um die Halbinsel Reykjanes mit zumindest etwas Sonne, fielen danach immer wieder Locations dem heftigen Regen zum Opfer. Am Geysir hatten wir zum Glück Quartier, sodass am nächsten Morgen in aller Frühe ein paar Bilder gelangen. Die Reise entlang der Südküste versank nahezu im Regen. Bei den

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[Mein Schirm kommt zu Ehren]
ersten beiden Wasserfällen war das nicht weiter schlimm, denn hier wären wir bei jedem Wetter nass geworden. Der Gljúfrabúi („Schluchtenbewohner“) stürzt nämlich in einer Höhle herunter, über die man auf Steinen im Wasser balancierend gelangt, um dort vom Spritzwasser empfangen zu werden – ein ebenso tolles Erlebnis wie es auch eine große Herausforderung an das Kamera-Equipment ist. Und auch der Seljalandsfoss, hinter den man gehen und durch den Wasserschleier nach draußen sehen kann, bringt durch die Gischt jede Menge mit sich. Den großen Wasserfall Nummer drei, den Skógafoss, schauten wir dann nur kurz aus dem Bus an, bevor wir im Dauerregen weiterfuhren. Alternativ gönnten wir uns den Kinofilm im þorvaldseyri-Center rund um den Ausbruch des berühmten Eyjafjallajökull. Auch der Ausflug an das Südkap fiel ins Wasser.

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[Papageientaucher am Reynisfjara]
Das haben wir dann allerdings am nächsten Morgen nachholen können – es gab ein kurzes regenfreies Fenster; belohnt wurden wir von einer unzähligen Schar an Papageientauchern, die sich uns regelrecht präsentierten! Bei der ersten Fototour konnten wir sie nur fliegen sehen, denn sie waren noch mit der unermüdlichen Fütterung der Jungtiere beschäftigt, die nun alle schon groß genug und außerhalb ihrer Nester waren – herrlich! An der nächsten Location in der Eldhraun („Feuerlava“) gab es Zeit zwei Bilder, dann strömte der Regen auch schon wieder herab. Die großartige Fjarðrárgljúfur-Schlucht sind wir von oben nach unten gelaufen – der spektakulärste Ausblick zuerst, aber dafür auch für eine kurze Zeit regenfrei. Nach der Fahrt durch die großen Sanderebenen im Nebel klarte auch der Svínafellsjökull-Gletscher noch einmal für uns auf, sodass wir den Pfad an seiner Seite noch ein gutes Stück hinaufklettern konnten. Alles in allem hatten wir mit den regenfreien Fenstern also jede Menge Glück.

 

 

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[Svínafellgletscher]
Der Ausblick auf den nächsten Tag ließ mich aber nun doch ziemlich verzweifeln, denn es gab einfach keine Alternativen, die ich hätte bieten können. Und eigentlich ist dies einer der großen Höhepunkte, die Gletscherzungen rund um den Vatnajökull-Nationalpark (der größte Gletscher Europas), die Fahrt auf der Gletscherlagune mit ihren meterhohen Eisbergen, der so genannte Diamond-Beach mit seinen Eisstücken im schwarzen Sand, die wie Diamante schimmern… Aber hier zeigte sich die Qualität der

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[Torfkirche Hof im Gebiet Öræfi]
überaus entspannten Gruppe, die ein wahrer Segen war: „Das wussten wir doch vorher, dass Island so sein kann. Da kann man eben nichts machen. Wir genießen dann eben mit den Augen. Schade, dass man keine Fotos machen kann, aber es ist ja trotzdem unglaublich schön hier!“ Das hat mich wirklich verblüfft, mit welcher Gelassenheit die Gruppe die ganze Fahrt über sich durch den Regen kaum frustrieren ließ. Und so wurde die Wanderung zum Svartifoss als erstaunlich schön und regenarm wahrgenommen, eine Torfkirche noch als kleines spontanes Extra mitgenommen, und der Rest des vernebelt-verregneten Tages dennoch auch als schön empfunden und das Beste draus gemacht.

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[Blick vom Pass Allmannaskarð zu den Gletscherzungen des Vatnajökull]

Der Norden

IMG-20170830-WA0005 KopieDie Ostfjorde, Tag 7, endlich ohne Regen. Sie haben einen eigenen Charme, man muss sich aber schon ein bisschen Zeit nehmen, wenn man nicht stur die lange Strecke hinter sich bringen möchte, um zu den großen Sehenswürdigkeiten im Norden weiter zu rasen. Ich mag diesen Tag immer besonders, weil er nach all den vielen Eindrücken ein bisschen das Hirn durchpustet. Die Ostküste ist teilweise von langen schwarzen Stränden, teils von spektakulärer Steilküste, teils von tief eingeschnittenen Fjorden geprägt; die treppenartigen Berge scheinen schräg aufgestellt (und sind es auch, was mit der Schwerkraft während der vulkanischen Aktivitäten vor 13 Millionen Jahren zu tun hat), wirken teils mystisch und manchmal skurril. Wir nehmen uns viel Zeit in Stokksnes und im Wasserfall des Berufjördur, bevor wir in Petras Steinsammlung Halt machen.

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[Dettifoss]
Endlich, endlich haben auch wir ein paar Tage mit Sonne. Es ist eine Wohltat. Ein Wasserfall unterwegs, ein Stopp im beginnenden Hochland, dann geht es zu einem der großen Wasserfälle: Der Dettifoss präsentiert sich mit Regenbogenspektakel. Weiter geht es zum Mývatn-See, an dem wir zwei Tage bleiben, um all die Sehenswürdigkeiten zu genießen: Eines der größten Solfatarenfelder Islands – Hverarönd, das Felsenlabyrinth Dimmuborgir, die Wanderung um den wassergefüllten Krater Víti am Vulkan aktiven Krafla, die Pseudokrater im See, spätabends dann der Besuch im Naturbad Mývatn.

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[Kratersee im Krafla-Víti]
Etwa eine Dreiviertelstunde entfernt hatten wir unser nächstes Quartier wieder an einem wunderschönen See. Von hier aus ging es abends noch zum Goðafoss (siehe Bild ganz oben), den ich teilweise wöchentlich besucht hatte im letzten Sommer, immer mit Tausenden von Touristen. An diesem Abend hat er mich wieder ganz neu fasziniert: Viel weniger Menschen und zauberhaftes Licht… Danach sind wir in den Hot Pot hinter unserem Gästehaus gestiegen und haben dort die Dunkelheit, den aufgehenden Mond über dem See und die ersten Nordlichter begrüßt und genossen. Es waren großartige Bedingungen, und die Gruppe hat einige Stunden Nachtschlafes für eine großartige Nordlicht-Show geopfert. Ich bin schlafen gegangen – wenn ich als Guide unterwegs bin, brauche ich meinen Schlaf, um am nächsten Morgen wieder fit und entspannt zu sein.

20170813_Whalewatching41 (Large)Noch ein Sonnentag war uns vergönnt – und ein weiteres Highlight: Beim Whalewatching im wunderschönen Eyafjörður sahen wir jede Menge Wale, einige davon schwammen so dicht ans Ufer heran, dass die Crew völlig aus dem Häuschen war – das hatten sie noch nie gesehen. Kommentar des Guide: „Normalerweise kommen Wale an den Strand, wenn sie sich entschieden haben zu sterben. Diese hier wollen das aber offensichtlich nicht, denn sie haben eine Menge Spaß!“ Schließlich ein Erlebnis, das man nur bei 5 % aller Walfahrten hat: Zwei komplett aus dem Wasser springende Wale! Leider in größerer Entfernung, aber dennoch einmalig und fast unwirklich. Als wir dann beim anschließenden See-Angeln noch jede Menge Fische fingen – zum Teil mit zwei bis drei Fischen an einer Angel! – konnte ich noch an Bord organisieren, dass wir an Land in einem Restaurant den großen Grill benutzen durften. Wir packten all unser Brot, Gemüse usw. aus und machten ein großes Gelage daraus. Die Getränke wurden uns im eigentlich geschlossenen Restaurant gezapft, und einer Gammelhai-Verkostung konnten einige dann auch nicht widerstehen (dafür gab es ein Mut-Zertifikat!).

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[Hvítserkur bei Ebbe]
Tja, und dann hatte er uns wieder, der Regen. Und wie. Lange Fahrstrecken an diesem Tag, ein Torfgehöft mit Museum, eine Torfirche, und schließlich nach einer halben Stunde schlechten Weges zu einer Steinskulptur im Meer, die bei Ebbe anlandet: Der Hvítserkur. Einige haben sich dennoch nicht abhalten lassen, den Hang nach unten zu klettern, aber für andere war das Regenlimit nun wirklich erreicht. Das Foto hier stammt von Tour eins, wo das Wetter ja deutlich besser war.

Der Westen

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[Der Kirkjufellsfoss konnte leider nur bei Fototour 1 in Szene gesetzt werden]
Der nächste Tag wurde leider nicht besser – die Halbinsel Snæfellsnes brachte extrem lange Fahrten mit sich, und leider neben dem Niesel auch Nebel. Der lichtete sich glücklicherweise bei den ersten beiden Locations in Arnastapi und am Malaríf. Am Djúpalónssandur mit seinem schwarzen Sand und rotbraunen Trümmerteilen eines Trawlers, der hier 1948 gesunken ist, versanken auch wir letztlich im Nieselpieselnebel. Durchgeweicht und ein bisschen frustriert entschieden wir unsere eigentliche Haupt-Location, die Wasserfälle am Kirkjufell („Kirchenberg“, so genannt wegen der Form, die an ein Kirchendach erinnert) bei Grundafjörður wegzulassen, da sämtliche Berge ohnehin im Nebel verschwunden waren. Die Rückfahrt war mühevoll, nur Steffen und ich blieben wach, während alle in seligem Schlummer die Ereignisse des Tages verarbeiteten. Am Abend ein wunderbares Essen in Borganes, wo wir im Landnahmezentrum einen Tisch bestellt hatten.

Und damit war unsere Reise fast zu Ende. Am nächsten Tag standen nur noch die Wasserfälle Hraufossar und der Barnafoss an, immerhin blieb das Wetter trocken bis zu unserer Abfahrt. Dann ging es Richtung Reykjavík. Nach dem gemeinsamen Eisessen im Hafen ging es zum CheckIn ins Hotel, bevor wir uns abends noch zum Abschiedsessen in der Stadt trafen. Das Putzen des Busses war dann Aufgabe von Steffen und mir, während die Gruppe einen Tag zur freien Verfügung hatte, um zu bummeln, zu reiten und so weiter.

Alles in allem waren die beiden Foto-Touren ein schöner Abschluss meiner Reise-Saison, die erst 2018 wieder für mich beginnen wird. So hoffe ich es jedenfalls.

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Auf Foto-Tour (2)